Wegschieben bringt nichts

Guten Morgen,

vor einer Woche war ich der festen Überzeugung, dass ich unbedingt einen neuen Job brauche. Und wirklich etwas ganz anderes. Ich wusste nur noch nicht, wie das gehen soll, weil ich so eingeschränkt in meinen Arbeitszeiten bin. Wir haben auch noch mal hin und her gerechnet und überlegt, aber 700€ brauchen wir auf jeden Fall. Und ich wüsste auch gar nicht, was ich alternativ machen möchte. Ich kann nur sagen, was ich nicht mehr möchte. Den dauernden Zeitdruck. Morgen habe ich wieder einen Termin in der Ambulanz. Da werde ich auf jeden Fall noch mal nach dem Sozialdienst fragen, obwohl ich da ja nicht so große Hoffnung habe, dass das noch klappt.  Zumindest nicht in naher Zukunft. Aber vielleicht weiß der Psychiater auch noch eine andere Adresse an die man sich wenden kann. Ich fände es zumindest schön eine Perspektive zu haben. Auch wenn es vielleicht nicht gleich geht. Letzte Woche hätte ich gesagt, dass es sofort sein muss. Aber diese Arbeitswoche war eigentlich ganz gut. Ich war jeden Tag ungefähr zur abgesprochenen Zeit fertig und das hat mir wirklich viel gebracht. So hatte ich zwischendurch noch ein bisschen Luft und musste nicht von einem zum anderen hetzen. Dann hat auch gleich die Arbeit wieder mehr Spaß gemacht. Mal gucken, ob das so bleibt. Aber eine Alternative im Hinterkopf zu haben würde ja nicht schaden.

Auf die Geburtstagseinladung habe ich auch noch nicht geantwortet. Wenn es geht schiebe ich die Gedanken immer einfach ganz weit weg. Ich habe mir aber überlegt einen Brief zu schreiben. Dann kann ich mir in Ruhe überlegen was ich sagen möchte und muss nicht reagieren, wie bei einem Telefongespräch. Das fällt mir glaube ich wesentlich leichter. Am liebsten würde ich mich gar nicht mehr damit beschäftigen und einfach so tun, als würde es meine Herkunftsfamilie gar nicht geben. Und als gäbe es auch keine anderen Menschen, die sie kennen. Aber das geht natürlich nicht. Und es bringt mich wahrscheinlich auch nicht wirklich weiter. Am meisten Angst machen mir meine eigenen Gefühle. Das ist mir in der vorletzten Therapiesitzung klar geworden. Ich möchte nie wieder dieses Gefühl haben, dass ich nach dem letzten Gespräch mit meiner Herkunftsfamilie hatte. Ich habe gedacht, dass ich einfach nur die Realität nicht erkennen kann und ihnen deshalb ganz großes Unrecht zugefügt habe. Und dann hatte ich die feste Überzeugung so nicht mehr weiterleben zu können. In diesem Moment wollte ich wirklich sterben. Und ich habe einfach riesige Angst so eine Situation erneut erleben zu müssen. Aber einfach wegschieben bringt wahrscheinlich auch nichts, weil ich dann überhaupt nicht vorbereitet bin, wenn z.B. mal wieder eine Postkarte mit einer Geburtstagseinladung kommt.

Außerdem mache ich glaube ich einige Dinge von früher einfach weiter, ohne es überhaupt zu merken. Bei einem Gespräch mit meinem Mann ist mir letztens bewusst geworden, dass ich früher unbedingt meiner Herkunftsfamilie beweisen wollte, dass ich zurecht komme. Und das ich das unbewusst irgendwie immer noch weiter mache. Es stresst mich total, wenn der Haushalt noch nicht erledigt ist. Obwohl mir rational bewusst ist, dass nichts schlimmes passieren wird, wenn der Boden nicht gesaugt ist, oder der Geschirrspüler nicht eingeräumt. Ich habe immer noch das Gefühl beweisen zu müssen, dass ich zurecht komme. Vielleicht auch mir selbst. Es gibt auf jeden Fall noch eine ganze Menge zu bearbeiten! Und das zu ignorieren bringt mich nicht weiter.

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