Was habe ich denn eigentlich?

So genau kann ich euch gar nicht sagen, was ich eigentlich habe. Zumindest keine ganz klare Diagnose.

Mit 13 war immer die Rede von einer depressiven Episode, was ja in der Pubertät nicht so selten vorkommt und sich dann wahrscheinlich auch wieder verwächst. Als ich dann mit 18 das zweite Mal in Behandlung war ging es eigentlich auch immer nur um Depressionen. Erst als ich mit 24 Jahren erneut beim Psychiater war meinte er, dass es sich eher um eine Angststörung, als um eine klassische Depression handelt. Er meinte, dass die depressiven Symptome durch die Überforderung auf Grund der ständigen Angst auftreten. Als ich länger bei ihm in Behandlung war und es mir zwischenzeitlich auch wesentlich schlechter ging, meinte er, dass ich wahrscheinlich an einer ängstlich-, unsicheren Persönlichkeitsstörung leide.

Der Begriff Persönlichkeitsstörung hat mir wirklich Angst gemacht. Ich finde die Vorstellung total furchtbar, dass meine gesamte Persönlichkeit gestört ist. Bei anderen Erkrankungen betrifft die Störung ja nur bestimmte Bereiche des Körpers, aber die Persönlichkeit betrifft mich ja wirklich insgesamt als Menschen. Mir fällt es wirklich schwer das anzunehmen, obwohl ich in mir drin weiß, dass es stimmt.

Später kam dann auch noch der Begriff emotionale Instabilität dazu. Eigentlich weiß ich, dass es stimmt, aber es fällt mir sehr schwer mich damit abzufinden. Wonach soll ich mich denn richten, wenn ich mir nicht sicher sein kann, dass ich meinen Emotionen trauen kann. Außerdem wurde mir klar, dass es nicht plötzlich besser werden wird. Sondern eine Persönlichkeitsstörung bleiben wird. In schlechten Phasen wusste ich einfach nicht, wie ich die Kraft haben soll immer weiter dagegen anzukämpfen. Aber ich habe auch immer wieder erfahren, dass es sich lohnt zu kämpfen. Ich schöne Momente mit meiner Familie erleben, für meine Kinder da sein und sie begleite möchte.

Die Erkrankung zu akzeptieren fällt mir aber immer noch sehr schwer. Ich habe schon oft versucht einfach zu beschließen, dass es jetzt einfach mal gut sein muss und ich mich jetzt zusammen zu reißen werde. Ich habe dann einfach versucht nur noch zu arbeiten und wie eine Maschine zu funktionieren. Für ganz kurze Zeit ging das auch, aber dann überwog immer die Erschöpfung und es folgte der nächste Tiefpunkt.

Jetzt bin ich an dem Punkt, an dem ich denke, dass ich früher oder später die Erkrankung einfach akzeptieren muss. Ich muss andere Strategien finden damit umzugehen, als immer wieder bis zur totalen Erschöpfung zu arbeiten.

 

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