To Kondo und was dann bleibt

Ich habe mir vor kurzem das Buch Magic Cleaning von Marie Kondo gekauft. Es hat mich genervt, dass es bei uns immer so rumpelig aussieht und ich brauchte dringend Motivation um das Problem anzugehen.

Eigentlich ist die Aussage ganz einfach. Man soll nur behalten was man braucht und was einen glücklich macht. Der Rest soll entsorgt werden. Ich war und bin immer noch total motiviert. Und das ging glaube ich vielen so, die das Buch gelesen haben. Letztens habe ich gelesen, dass es jetzt im englischen sogar das Wort to Kondo für radikales ausmisten gibt.

Das Ausmisten hat mich dazu gebracht mir Gedanken zu machen, was mir selbst eigentlich gefällt, wichtig ist und Spaß macht. Ich glaube ich bin in den letzten Jahren schon besser geworden, aber mit vielem habe ich auch noch Schwierigkeiten.

Früher war ich auch beim Thema Kleidung sehr unsicher. Das ist jetzt aber gar nicht mehr so. Wie schon mal erwähnt ich liebe alles, was bunt ist. Auch bei der Einrichtung.

Aber so klar ist mir das nicht in allen Bereichen. Besonders deutlich geworden ist mir das mal beim Sport. Getanzt habe ich immer gern. Aber den Rest habe ich immer nur gemacht, weil es für mich dazu gehörte. Darum ob mir das Spaß macht ging es nicht vorrangig . Schwierig finde ich es eigentlich bei allen Dingen, die die Freizeit angehen. Vor einigen Jahren konnte ich mir nichts anderes vorstellen, als zu arbeiten. Länger frei zu haben fand ich ganz furchtbar, weil ich dann immer in ein tiefes Loch gefallen bin und mir die Ablenkung fehlte. Später habe ich dann gearbeitet, mich um den Haushalt und die Kinder gekümmert. Damals habe ich immer gesagt, dass mein Hobby halt einfach die Arbeit ist.

Jetzt habe ich zum Glück vieles gefunden, dass mir Spaß macht, aber es fällt mir schwer es mir zu erlauben. Ich habe immer ein schlechtes Gewissen, wenn ich mir Zeit nehme, in der ich etwas unnötiges mache, einfach nur, weil es Spaß macht. Ich könnte ja auch in der Zeit etwas nützliches für andere tun. Ich habe einfach das Gefühl, dass ich es nicht wert bin und nicht verdient habe. Nach dem ich jetzt aber mehrmals an einen Punkt gekommen bin an dem ich einfach so erschöpft war, dass ich nicht mehr konnte, ist mir klar, dass ich weiter daran arbeiten muss.

Auch in Bezug auf mein Rollenbild fällt es mir schwer für mich den richtigen Weg zu finden. Arbeite ich viel habe ich meiner Familie gegenüber ein schlechtes Gewissen. Arbeite ich wenig fühle ich mich faul und auch irgendwie altbacken. Ich denke dann, dass ich mich nur endlich mal zusammen reißen, mich besser organisieren und fleißig sein muss. Dann würde ich das auch alles hinbekommen. Machen andere ja schließlich auch. Bei anderen Menschen finde ich eigentlich jeden Lebensentwurf gut und richtig, wenn es für sie und ihre Familie passt. Mir selbst kann ich es bei diesem Thema allerdings nie recht machen.

Als ich gerade geschrieben habe, musste ich an früher denken, als die Betriebsärztin immer auf mein Gewicht geguckt hat.  Ich wusste, dass ich zunehmen muss. Ich wollte ja auch unbedingt die Ausbildung machen. Aber ich dachte auch, dass ich jetzt schlank bin, zumindest in den Augen der Anderen. Aber was ist wenn ich das nicht mehr bin. Was bin ich dann? Bin ich dann überhaupt noch irgendwas?

Ein ähnliches Gefühl war es auch, als ich mich letztes Jahr krank schreiben lassen musste. Das Arbeiten hat mir ganz viel Sicherheit gegeben. Wenn ich anderen helfe, dann habe ich auch eine Daseinsberechtigung. Aber wenn das jetzt wegfällt. Was ist dann? Wer bin ich dann und was macht mich aus?

Es gibt noch eine ganze Menge Dinge, die mir schwerfallen. Und ich muss weiter daran arbeiten, weil ich erkannt habe, dass ich es auf Dauer nicht durchhalte immer nur zu arbeiten.

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