Therapiechaos

Vor ungefähr einem Jahr habe ich bei einem neuen Arbeitgeber angefangen. Ich war total motiviert etwas neues zu lernen. Das ist aber leider total nach hinten losgegangen und schon nach ungefähr zwei Wochen ging es mir so schlecht wie seit vielen Jahren nicht mehr. In der folgenden Zeit gab es immer wieder Tiefpunkte und mir ist klar geworden, dass es so nicht weiter geht und ich irgendetwas machen muss. Ich hatte auch das Gefühl, dass mein Psychiater und ich uns nach neun Jahren irgendwie festgefahren haben.

Daraufhin habe ich viel im Internet gelesen und E-Mails geschrieben. Irgendwann habe ich dann mit einer Psychologin telefoniert. Ich habe ihr kurz meine Geschichte erzählt und sie gefragt, ob man bei mir irgendwas verbessern kann, oder ob ich einfach damit leben muss. Sie sagte mir, dass man auf jeden Fall etwas machen kann. Sie hatte aber in absehbarer Zeit leider keinen freien Therapieplatz. Sie hat mir den Tip gegeben unter www.psych-info.de nach Verhaltenstherapeuten zu suchen. Sie hat mir Hoffnung gemacht und ich war total motiviert.

Ich habe mir die Homepages vieler Therapeuten angesehen und viele E-Mails geschrieben. Ein Psychologe hat mich auch recht schnell angerufen und ich konnte mir gut vorstellen bei ihm eine Therapie zu machen. Allerdings erzählte er mir dann, dass er keine Kassenzulassung hat und in der Regel nur privat abrechnet. Das hatte ich auf der Info Seite irgendwie übersehen. Es gab aber doch noch eine Möglichkeit mit der Krankenkasse abzurechnen. Ich brauchte eine Bescheinigung vom Hausarzt und vom Facharzt. Außerdem fünf Absagen von Therapeuten mit Kassenzulassung. Früher habe ich ganz naiv gedacht, dass die Krankenkasse den Versicherten helfen möchte, ihre gesundheitliche Situation zu verbessern. Aber das Gefühl hatte ich überhaupt nicht. Eher, dass es möglichst aufwendig sein soll. Hätte mein Mann mich nicht dabei unterstützt, dann hätte ich das nicht geschafft. Und ich denke es gibt viele Menschen, denen es schlechter geht, als mir damals und die vielleicht  niemanden haben, der sie unterstützt. Wie schwierig muss es für diese Menschen erst sein Hilfe zu bekommen.

Am Ende hat dann bei mir zum Glück doch noch alles geklappt und ich habe die Zusage für die Kostenübernahme von der Krankenkasse bekommen.

Ich konnte es gar nicht glauben, als es dann wirklich losging. Der Psychologe war ziemlich verwundert, dass therapeutisch bei mir bis jetzt so wenig passiert ist. Aber ich wusste auch gar nicht, welche Angebote es gibt. Wie bereits in einem vorherigen Beitrag erwähnt, hat der erste Hausarzt mit dem ich über meine Probleme gesprochen habe mir Antidepressiva verschieben und gesagt, dass Psychiater und Psychologen mehr Schaden, als nutzen und er mir davon abrät. Im Zuge des Antrags für die Therapie habe ich meinen Psychiater gefragt, ob er es für sinnvoll hält wenn ich eine Therapie machen würde und ob er mir dafür einen Zettel für die Krankenkasse ausfüllen kann. Er meinte dann, dass es schon sinnvoll ist und die Ambulanz das ja gar nicht leisten kann. Aber warum wurde mir das denn nicht schon eher gesagt. Bis jetzt war es immer so, dass mich jeder über das informiert hat, was er anbieten kann. Aber mir fehlt wirklich mal eine komplette Übersicht über alle Möglichkeiten, die es gibt.

Ich habe die Aussage, dass man sich bei psychischen Problemen nur Hilfe holen muss schon so oft gelesen, aber meiner Erfahrung nach ist das gar nicht so einfach.

Im Moment habe ich ein sehr gutes Gefühl bei der Therapie. Ich traue mich aber noch nicht mir allzu große Hoffnungen zu machen.

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