Slow family und Selbstoptimierung

Mir fällt es wirklich schwer einen Weg zu finden das Familienleben für alle Mitglieder positiv zu gestalten. Ich möchte nicht, dass meine Kinder einen total vollen Terminplan haben und wir von einem Termin zum anderen hetzen müssen. Ich kann mir nicht vorstellen, dass diese Hektik für irgendjemanden gut sein soll. Außerdem bin ich der Meinung, dass Kinder Zeit zum Spielen brauchen. Theoretisch weiß ich schon genau, wie ich die Erziehung meiner Kinder gestalten möchte. In der Praxis fällt mir das aber viel schwerer.

Es gibt ja viele tolle Angebote für Kinder und im Kindergarten und in der Schule bekommen die Kinder ja auch viel mit, was die Anderen so alles am Nachmittag machen. Da finde ich es total schwer einen guten und gesunden Mittelweg zu finden. Und auch, wenn ich selbst total gegen die Leistungsgesellschaft bin und sich mir bei dem Wort Selbstoptimierung die Fußnägel aufrollen, müssen sich meine Kinder in dieser Gesellschaft zurecht finden. In meinem eigenen Leben kann ich versuchen mich so weit es geht rauszuziehen. Ich arbeite in einem sehr netten Unternehmen und habe tolle Chefinnen. Außerdem versuche ich meinen Konsum möglichst zu reduzieren, um einfach nicht immer nur dem Geld hinterher laufen zu müssen. Aber meine Kinder müssen diese Entscheidung für sich selbst treffen. Und ich möchte ihnen keinen Weg vorgeben. Ich möchte, dass sie frei sind und sich später selbst für einen Lebensweg entscheiden können, mit dem sie glücklich sind. Fühlt sich so in der Theorie super an. Es fällt mir aber total schwer dies in der Praxis mit Leben zu füllen. Und ich bin mir immer wieder unsicher ob ich nicht doch dies oder jenes falsch mache. Sehr geholfen hat mir das Buch „Slow Family“ von Nicola Schmidt und Julia Dinnern. Es hat mich in meiner Einstellung bestärkt und mir Anregungen für den Alltag gegeben.

Auch viele Gedanken mache ich mir über das Thema Familie und Beruf. Mein Mann und ich haben schon viele Varianten ausprobiert. Vor der Geburt unserer Zwillinge haben wir auch mal beide in Teilzeit gearbeitet. Nachdem mein Mann aber nebenberuflich studiert hat, hat es sich angeboten, dass er Vollzeit und ich in Teilzeit arbeite. Auch da haben wir vieles ausprobiert. Schichtdienst oder keinen Schichtdienst. Mehr in der Woche oder mehr am Wochenende. Es ist wirklich schwer. Und ich habe häufig ein schlechtes Gewissen. Besonders als die Kleinen in die Kita gekommen sind. Ich fühlte mich total schlecht, wenn die Kinder im Kindergarten waren und ich frei hatte.

Hallo Auch sehr gestresst haben mich die vielen Krankheitswellen. Wenn ich viele Tage am Stück gearbeitet habe, hatte ich schon vorher immer Angst, dass jemand krank werden könnte. Oder wenn gefragt wird, ob ich einspringen kann. Wenn ich einspringe habe ich meiner Familie gegenüber ein schlechtes Gewissen und wenn ich nicht einspringe meinen Kollegen gegenüber.

In ein paar Monaten möchte ich meine Arbeitsstunden weiter reduzieren, um mehr Zeit für meine Familie zu haben. Häufig denke ich, dass andere es ja auch hinbekommen und ich vielleicht einfach nur zu faul und zu unorganisiert bin. Ich versuche mir aber immer wieder zu sagen, dass meine Kinder in ein paar Jahren keine Lust mehr haben etwas mit mir zu machen und dass ich dann immer noch arbeiten kann.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

I accept that my given data and my IP address is sent to a server in the USA only for the purpose of spam prevention through the Akismet program.More information on Akismet and GDPR.