Noch mal zurück in die Vergangenheit?

Das erste Mal das Gefühl, noch nicht bereit zu sein, in die Zukunft zu starten hatte ich im Assessment. In einem früheren Beitrag hatte ich schon mal erzählt, dass mir die Psychologin dort eine Aufgabe gegeben hat, in der ich mich an meine Kindheit im Alter von 0-10 erinnern sollte. Ich fühlte plötzlich nur noch Selbsthass und konnte dieses Gefühl überhaupt nicht aushalten.

Im Anschluss an das Assessment wollte ich dieses Thema in der ambulanten Therapie bearbeiten. Da wir nicht mehr so allzu viele Stunden von der Krankenkasse genehmigt haben, beschlossen wir vor einiger Zeit, die Termine nur noch zweiwöchentlich stattfinden zu lassen. Damals dachte ich auch, dass das vollkommen ausreichend ist, da ich nicht mehr viel zu bearbeiten habe, sondern nur noch etwas Unterstützung im Alltag brauche. Um uns diesem Thema zu widmen haben wir aber überlegt, die Termine wieder wöchentlich zu vereinbaren. In der ersten Stunde sprachen wir darüber, dass mich alles rund um meine Herkunftsfamilie immer noch extrem triggert. Dieser Termin war anstrengend aber noch ok. Beim zweiten Mal stiegen wir dann direkt ein in die Schuldgefühle und den Selbsthass, den die Frage der Psychologin bei mir ausgelöst haben. Und wieder konnte ich es kaum aushalten, so dass wir es abgebrochen haben. Hier kam das erste Mal die Frage auf, ob die ambulante Therapie der richtige Ort ist, um dieses Thema zu bearbeiten. In der folgenden Woche habe ich viel darüber nachgedacht. Mir ist klar geworden, dass die ambulante Therapie für mich dafür nicht geeignet ist. Ich kann mir nicht vorstellen, über diese Themen zu sprechen und anschließend nach Hause zu fahren und in meinem Alltag zu funktionieren. Außerdem macht es mir Angst dann mit meinen Gefühlen allein zu sein. Ich möchte dieses Thema aber unbedingt jetzt bearbeiten. Ich finde, dass es einfach der richtige Zeitpunkt ist, da ich den beruflichen Neuanfang noch nicht begonnen habe. Mein Wunsch ist, dass erst abzuschließen und mich anschließend ohne Unterbrechung auf das berufliche konzentrieren zu können.

Beim nächsten Termin erzählte ich dies meinem Psychologen und fragte ihn, ob er einen Rat hat, wo ich dieses Thema bearbeiten kann. Er sagte, dass er mir zu einer stationären Therapie raten würde. Er meinte, dass für mich eine Schematherapie, oder eine tiefenpsychologische Therapie besonders geeignet sind. Ich hätte das sehr gerne wieder in einer Tagesklink gemacht. Aber leider gibt es in meiner Nähe keine, die diese Therapieformen anbieten. Am Anfang habe ich mich total gegen den Gedanken gesträubt eine stationäre Therapie zu machen. Ich konnte mir nicht vorstellen meine Familie so lange alleine zu lassen. Dann habe ich mir überlegt, was ich meiner Freundin an meiner Stelle raten würde. Ihr würde ich sagen, dass sie die Therapie auswählen soll, von der sie ausgeht, dass sie ihr am besten hilft. In der Tagesklinik wäre sie auch acht Wochen und hätte ihr Problem vermutlich nicht gelöst. Und ich würde sagen, dass es bei jedem Menschen irgendwie gehen muss. Wenn jemand einen Unfall hat, muss er schließlich auch ins Krankenhaus. Und es findet sich immer eine Lösung. Egal in welcher Lebenssituation er sich befindet. Daher habe ich mich im Internet auf die Suche begeben und in meiner Nähe eine Klinik gefunden, die beides anbietet. Dort habe ich ein Termin für ein Kennenlerngespräch vereinbart. Leider dauert es ein paar Wochen, da die Feiertage dazwischen liegen.

Meine Sorge war auch noch, ob es ein Problem mit der Reha ist, wenn ich eine stationäre Therapie mache. Auch wenn ich vorher noch das andere erledigen möchte, möchte ich die medizinisch-berufliche Reha unbedingt machen, da ich immer noch davon überzeugt bin, dass sie genau das Angebot ist, dass ich brauche. Ich habe also noch mal dort angerufen und mit der Leiterin gesprochen. Sie hat mich beruhigt und sagte, dass die Kostenzusage 6 Monate gültig ist. Ich habe also bis zum 6.6. Zeit dort anzufangen. Falls ich vorher im Krankenhaus bin, können wir den Beginn der Reha einfach auf einen Termin nach der Entlassung verschieben. Ich habe bei meinem Anruf in der Klinik gar nicht daran gedacht zu fragen, wie lange die Wartezeit ist. Aber ich denke mal, dass ich das auch bei dem Kennenlern-Termin erfahre. Es fällt mir immer schwer abzuwarten, wenn die Situation nicht geklärt ist. Aber ich glaube auch, dass dies eine gute Übung für mich ist.

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