Jahrestag

Heute ist das Gespräch mit meiner Herkunftsfamilie, das zum Kontaktabbruch führte, genau ein Jahr her. Der Gedanke löst auch ganz viele negative Gefühle aus. Aber ich finde ich sollte dieses Datum dazu nutzen, mir alles in Erinnerung zu rufen was sich seitdem verbessert hat und das ist wirklich viel. Eigentlich ist es ein komplett anderes Leben, im positiven Sinne.

Ich glaube die größte Entlastung in meinem Alltag war, dass meine Mutter nicht mehr zu mir nach Hause kommt. Ich brauche mich also nicht mehr damit zu stressen, dass der Haushalt immer erledigt sein muss, weil es ja niemand mehr kontrolliert. Außerdem muss ich mich mit niemandem im Kontakt mehr verstellen. Bei meiner Herkunftsfamilie hatte ich das Gefühl, dass ich mich immer schützen muss und jedesmal beweisen muss, dass ich nicht minderwertig bin. Im Nachhinein ist mir erst klar geworden, wie anstrengend das war. Ich kann auch einfach sagen, dass mir etwas zu anstrengend, zu stressig oder zu viel ist und es ist ok. Niemand sagt, dass ich ja sowieso mit allem überfordert bin.

Nach meinem Gefühl hat sich auch die Beziehung zu meinen Kindern verbessert. Ich glaube, dass ich gelernt habe mehr auf mein Bauchgefühl zu hören und nicht einfach alles zu machen, von dem ich denke, dass eine gute Mutter es machen muss. Ich habe so den Raum meine Kinder wirklich zu sehen. Und ich habe viel mehr Energie für sie, weil ich mich nicht mehr jeden Tag überfordere.

Außerdem habe ich ein viel besseres Gefühl für mich selbst entwickelt. Für Dinge die mir wichtig sind und die mir Spaß machen. Und ich kann die anderen Dinge auch wirklich lassen, ohne dass es mir jemand vorwirft.

Ich brauche glaube ich noch mehr Zeit, aber so langsam wird mir immer deutlicher, dass sich meine Herkunftsfamilie mir gegenüber wirklich falsch verhalten hat. Und dass nicht alles meine Schuld ist. Am positivsten fällt mir das auf, wenn mir irgendetwas nicht gefällt. Früher dachte ich immer, dass das an mir liegt und ich mich einfach nur mehr zusammenreißen und anpassen muss. Die Verantwortung bei meiner Herkunftsfamilie zu sehen fällt mir immer noch am schwierigsten. Aber ich bin mir zumindest sicher, dass ich nie wieder zurück möchte. Und es mir ohne diesen Kontakt viel besser geht. Auch körperlich habe ich das total gemerkt. Am meisten damit, dass ich diese extreme Müdigkeit nicht mehr habe. Klar bin ich im Verlauf des Tages noch manchmal müde. Aber es hat eine ganz andere Qualität. Es ist nicht mehr so, dass ich überhaupt nicht mehr länger sitzen kann, weil ich dann einschlafe. Und es ist nicht mehr so, dass mich diese extreme Müdigkeit im Alltag belastet.

Und mit all diesen positiven Dingen im Kopf kann ich nur sagen, dass es die richtige Entscheidung war. Es war wirklich ein schwerer Weg, aber es hat sich gelohnt ihn zu gehen! Und ich werde ihn nicht wieder zurück gehen!

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