Individuell oder einfach nur chaotisch?

Im letzten Beitrag habe ich ja schon von dem recht langen Weg zu einem Termin bei einer Rehaberaterin erzählt. Es hat ein paar Monate gedauert, aber ich muss sagen, dass es sich gelohnt hat. Die Beraterin ist sehr nett und kompetent. Bei unserem ersten Termin habe ich erfahren, dass mein LTA-Antrag genehmigt wurde. Das heißt erstmal, dass festgestellt wurde, dass ich Unterstützung benötigen um langfristig am Arbeitsleben teilnehmen zu können. Das Gutachten wurde von einer Ärztin der Arbeitsagentur auf Grund der von mir eingereichten Arztbriefe erstellt. Darin steht, dass klar ersichtlich ist, dass ich auf Grund meiner Erkrankung Schwierigkeiten im Arbeitsleben habe und auch in Zukunft haben werde, sie aber aus den Arztbriefen nicht ersehen kann, ob ich schon wieder belastbar genug bin, um z.B. eine Umschulung zu machen. Von daher wurde mir empfohlen an einer Belastungserprobung (Assessment) teilzunehmen. Die Beraterin gab mir zwei Adressen von Anbietern mit denen die Arbeitsagentur zusammen arbeitet. Sie sagte, ich soll einfach bei Beiden mal eine Infoveranstaltung besuchen und ihr anschließend mitteilen, bei welchem Anbieter es mir am besten gefallen hat. Ich war wirklich positiv überrascht das ich diese Möglichkeit hatte. Ich dachte, dass es in der Beratung hauptsächlich darum gehen wird, mich möglichst schnell wieder in Arbeit zu bringen, aber so war es überhaupt nicht. Die Beraterin hat mir noch einmal gesagt, dass ich mir keinen Stress machen soll und auch im Assessment wirklich ehrlich zu mir selbst sein soll. Sie sagte, dass es auch nicht schlimm ist, wenn ich noch nicht fit genug bin. Sie meinte, dass wir es nur wissen müssen, um eine für mich geeignete Lösung zu finden.

Ich rief also bei beiden Assessmentanbietern an und bekam recht schnell einen Termin. Gefallen hat es mir eigentlich bei beiden wirklich gut. Und mal wieder war ich überrascht, welche Hilfsangebote es alles gibt. Das Assessment ist wirklich erst der Anfang, um herauszufinden, welches das Richtige ist. Ich habe mich dann für den Anbieter entschieden, bei dem mir der Ablauf am besten geplant erschien. Bei der Infoveranstaltung wurde gesagt, dass wir in der ersten Woche verschiedene Testungen machen. Zusätzlich haben wir ein Gespräch mit dem Psychologen, der uns im Assessment betreut. In der zweiten Woche wird dann eine fachpraktische Erprobung durchgeführt. Das heißt wir bekommen verschiedene Aufgaben und können diese innerhalb einer Woche in eigenem Tempo bearbeiten. In der dritten Woche werden dann die Ergebnisse besprochen und wir lernen die weiteren Rehabilitationsangebote kennen. In der vierten Woche finden dann die Gespräche mit den Kostenträgern statt, in denen unsere weitere Rehabilitation besprochen wird. Während der Infoveranstaltung des anderen Angebotes wurde der Ablauf nicht so genau besprochen. Es wurde immer nur gesagt, dass das immer individuell entschieden wird. Das kann natürlich einerseits gut sein, könnte aber auch bedeuten, dass kaum etwas passiert. Von daher habe ich mich für das erste Angebot entschieden, da es mir wesentlich transparenter erschien. Nach einem kurzen Telefongespräch mit meiner Rehaberaterin bekam ich auch direkt einen Platz für den nächsten Starttermin.

Um aber LTA-Leistungen in Anspruch nehmen zu können musste ich in der Zwischenzeit noch einiges andere erledigen. Zu dieser Zeit war ich ja immer noch angestellt und nur krank geschrieben. Ich wollte das auch einerseits unbedingt klären, weil mir ja klar war, dass ich nicht zu meinem alten Arbeitsplatz zurückkehren kann. Es ist mir aber total schwer gefallen. Erstmal überhaupt das Gespräch mit meiner Chefin zu führen. Ich hatte so ein schlechtes Gewissen, weil mir klar war, dass ich sie enttäuschen werde. Ich habe mir immer wieder gesagt, dass es auch niemandem weiterhilft es nicht zu sagen. Das ändert ja an der Tatsache nichts, dass ich dort nicht mehr arbeiten kann. Obwohl die „du musst dich nur zusammenreißen“-Stimme in meinem Kopf laut das Gegenteil behauptete. Im Laufe dieses Jahres ist mir aber klar geworden, dass es mir schon die letzten 23 Jahre nicht geholfen hat auf diese Stimme zu hören. Aber es fühlt sich einfach so richtig an. Ich weiß ja aber auch, dass es falsch ist. Auf jeden Fall musste ich ein Gespräch mit meiner Chefin führen. Ich hatte mich vorher in der Arbeitsagentur erkundigt. Um nicht für das Arbeitslosengeld (ALG) I gesperrt zu werden muss ich auf ärztlichen Rat kündigen. Dafür brauche ich ein Attest von meinem behandelnden Arzt und muss die Kündigung auf ärztlichen Rat vorher bei der Arbeitsagentur anmelden und mich am nächsten Tag direkt dort vor Ort melden. Mir hat das Gespräch mit meiner Chefin Angst gemacht und die ungewisse Situation hinterher, da ich ja noch keinen wirklichen Alternativplan hatte. Im Nachhinein war aber beides nicht schlimm. Meine Chefin war sehr nett und verständnisvoll. Ich glaube sie war am Ende auch froh eine geklärte Situation zu haben. Mit der Ungewissheit versuche ich zurecht zu kommen, indem ich mich immer erstmal nur auf das nächste Ziel konzentriere. Und dieses hatte ich bis jetzt eigentlich immer. Zu dieser Zeit also erstmal das Assessment. Einen Plan für später kann ich ja zur Zeit noch gar nicht haben, da ich die Möglichkeiten ja noch gar nicht kenne. Daher lohnt es sich auch nicht mich damit verrückt zu machen und Energie zu verschwenden, die ich sinnvoller nutzen kann.

Das Assessment war sehr intensiv. Ich habe wirklich viel mitgenommen und viel neues gelernt. Darüber werde ich im nächsten Beitrag schreiben.

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