Ganz normal oder auch nicht

Guten Morgen,

der Wäscheberg aus dem Urlaub ist so langsam abgearbeitet. Und nach einem Tag bei der Arbeit war ich wieder voll im Alltag. Obwohl das schöne Wetter gerade bei mir immer ein bisschen Urlaubsfeeling auslöst.

Von der Krankenkasse habe ich 15 weitere Therapiesitzungen bewilligt bekommen. Ich bin erst am Dienstag wieder beim Psychologen und kann dann erst fragen, wie viele beantragt waren. Ich habe das gar nicht gefragt, bin aber irgendwie von mehr ausgegangen. Ich habe das Gefühl, dass ich zwar gerade auf einem guten Weg bin, aber doch noch eine ganze Menge zu tun habe. Und irgendwann ist ja die Therapie auch ganz vorbei. Ich glaube ich habe schon eine Menge gelernt, aber ich habe Angst, dass ich dann wieder den komplett falschen Weg einschlage. Ich weiß auch gar nicht, ob wie oft man eine Verlängerung beantragen kann. Das muss ich am Dienstag alles unbedingt mal besprechen.

Auf meinen Brief den ich auf Grund der Geburtstagseinladung geschrieben habe, habe ich noch keine Antwort bekommen. Eigentlich bin ich auch wirklich froh darüber. Ich hatte wirklich Angst, dass irgend etwas gekommen ist, als wir aus dem Urlaub zurück gekommen sind. Irgendwie hat es ja doch immer mit meiner Herkunftsfamilie zu tun. Und alles was mit diesem Thema zu tun hat macht mir immer noch riesige Angst. Zur Zeit finde ich die Situation wie sie jetzt ist am besten. Ich habe es erklärt und höre einfach nichts mehr aus dieser Richtung. Von mir aus kann das so bleiben. Das ist auch noch ein Grund, warum ich Angst habe, keine Therapie mehr zu haben. Wenn sich dann jemand meldet. Ich bin mir in meiner Entscheidung total sicher keinen Kontakt mehr zu haben. Aber es löst immer noch Angst und Schuldgefühle aus.

Außerdem habe ich das Gefühl mich und meine Bedürfnisse gerade erst kennen zu lernen. Früher habe ich immer nur geguckt, was andere machen und dann habe ich versucht das nachzumachen. Ich hatte das Gefühl nicht „normal“ zu sein. Und ich wollte möglichst gegenüber meiner Herkunftsfamilie nicht verletzbar sein. Und alles was anders ist bietet ja immer Angriffspunkte. Rückblickend konnte ich irgendwann gar nichts mehr sagen, was ich selbst mag oder brauche. Ich wusste nicht, was ich gerne esse, was mich interessiert oder ich gerne mache. Ich habe alles was mich betrifft unterdrückt und einfach nur funktioniert ohne aufzufallen. Ich weiß, dass ich jetzt nicht mehr „normal“ sein muss. In meinem jetzigen Umfeld beurteilt das auch niemand. Und es ist ja auch total egal. Bei niemandem Anderen würde ich auf die Idee kommen in dieser Kategorie zu denken. Und was ist schon normal. Ich finde es total sympathisch, wenn Menschen Dinge anders machen oder sehen als der Mainstream. So lange es keinem Anderen schadet natürlich. Aber in Bezug auf mich muss ich da noch eine ganze Menge nachholen.

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