Einfach weiter zusammen reißen?

Hallo ihr Lieben, 


Es tut mir leid, dass ich so lange nichts geschrieben habe. Die letzten Monate waren so stressig und ich konnte meine Gefühle einfach nicht sortieren, um sie in Worte zu fassen. Außerdem konnte ich mir selbst nicht erlauben mir dafür Zeit zu nehmen. Auch jetzt fällt es mir schwer, aber ich möchte unbedingt wieder starten. Ich versuche glaube einfach mal mich von außen nach innen vorzuarbeiten und lasse mich überraschen wohin das führt.


Am 01.10. habe ich eine neue Stelle angefangen. Von der Arbeit her eigentlich genau das Gleiche, wie vorher. Aber von den Rahmenbedingungen her hörte es sich viel besser an. Mir wurde versprochen gemeinsam nach meinen Vorstellungen einen Rahmendienstplan zu erarbeiten und es sollte sich daran gehalten werden. Außerdem wurde mir eine bezahlte Weiterbildung in Aussicht gestellt. Und auch das Gehalt ist mehr. Hört sich zwar blöd an, aber das war für mich schließlich das ausschlaggebende Kriterium. Ich dachte, dass selbst wenn es das der gleiche Job wie vorher ist, ich aber mehr Geld bekomme ist das ja schon ein Gewinn. Das ist es auch. Aber ich weiß gerade nicht, ob ich den Preis dafür bezahlen kann. Ich habe gemerkt, dass der Minimalismus in meiner jetzigen Lebenssituation recht schnell an Grenzen stößt. Da ich es zwar für mich selbst leben kann, aber nicht für meinen Mann und besonders nicht für meine Kinder. Und mit dem Geld, dass ich vorher verdient habe war es einfach immer knapp. Leider wird sich an die restlichen Vereinbarungen nicht gehalten. Ich habe in den ersten drei Monaten bereits über 90 Überstunden gemacht. Und es ist mir einfach zu viel. Und ich glaube auch nicht, dass sich das in diesem Betrieb in Zukunft langfristig ändert. Es fangen zwar häufig neue Kollegen an, aber noch schneller kündigen Mitarbeiter. Irgendwie läuft es immer weiter. Aber ich finde es einfach sehr anstrengend. Rückblickend ist mir auch aufgefallen, dass es mir psychisch viel schlechter geht seitdem ich dort arbeite. Mein Selbstwert befindet sich irgendwo im Minusbereich. Und an manchen Tagen kann ich mir überhaupt nicht vorstellen jemals wieder an irgendetwas Freude zu haben. Und darauf kommen dann noch meine Schuldgefühle, dass es mir schlecht geht und ich mich nicht einfach mal zusammen reißen kann. Wenn ich dann noch bei sehr dominanten, fordernden Patienten höre ich in Ruhe immer die Worte meiner Herkunftsfamilie in mir. Auch wenn ich sie nicht mehr sehe, quatschen sie immer weiter. Und an diesen Tagen, denke ich , dass sie wahrscheinlich einfach recht haben. 
Und gerade weiß ich nicht, wie eine Lösung für das Problem sein könnte. Ich glaube nicht, dass es förderlich für mich ist dort weiter zu arbeiten. Ich weiß aber auch, dass das Problem in mir liegt und ich es auch zu jeder anderen Arbeitsstelle mitnehmen muss. Ich versuche dann immer nur mich mehr zusammen zu reißen und mehr zu leisten, um meinen Selbstzweifeln keinen Raum zu geben. Aber oft bin ich einfach nur müde. Ich habe das Gefühl, dass ich einfach so viel nachlernen muss, um in der Welt bestehen zu können. Ich glaube weil ich mich immer nur zusammen gerissen habe weiß ich gar nicht, was ich mit negativen Gefühlen anstellen soll. Ich habe das Gefühl, dass sie mich zerreißen würden, wenn ich sie zulasse. Und dann reiße ich mich lieber wieder zusammen. Das kann ich glaube ich am besten und für den Moment gibt es mir immer wieder Sicherheit. Alles Andere macht mir viel zu viel Angst.

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