Die Hoffnung auf das Ende der Zweifel

Hallo ihr Lieben,

ich habe ja in letzter Zeit ganz viel über Minimalismus gelesen und bin dabei auch über Digital Detox gestoßen. Es geht dabei darum sich über seinen Medienkonsum Gedanken zu machen und radikal auszusortieren. Als erstes habe ich gedacht, dass ich da schon recht wenig nutze und deshalb auch nichts aussortieren muss. Ich dachte, wenn man alle Zeit nur noch sinnvoll verwendet, dann ist es ja auch eigentlich wieder nur eine Form der Selbstoptimierung. Ich habe aber weiterhin darüber nachgedacht. Und dann habe ich überlegt, dass ich bei Facebook 220 Freunde habe, mit den meisten aber im „echten Leben“ gar nichts zu tun habe. Und ich dachte, dass es ja eigentlich Quatsch ist, dass ich mich dauernd ärgere zu wenig Zeit für meine Freunde zu haben, aber dauernd lese, was meine Facebook-Freunde so treiben. Nicht dass sie als Menschen nicht wichtig sind, aber was man bei Facebook schreibt ist ja doch eher oberflächlich und ich wünsche mir lieber echte, tiefe Gespräche mit Menschen, die mir etwas bedeuten. Nach längerem Überlegen habe ich dann die Facebook-App gelöscht. Meinen Account habe ich noch. So ganz trennen konnte ich mich doch noch nicht. Aber eigentlich habe ich doch meist nur so nebenbei am  Handy gelesen. Pinterest habe ich aber behalten, da ich oft Rezepte oder irgendwas Kreatives nachgucke. So ganz funktioniert hat mein Plan dann doch nicht weniger auf mein Handy zu gucken. Als ich vor ein paar Tagen nicht keine Lust zum Aufstehen hatte, habe ich statt Facebook, Pinterest gelesen. Dabei bin ich zufällig über diesen Artikel gestolpert:

https://www.wunderweib.de/narzisstische-muetter-so-sehr-leiden-die-toechter-100624.html

Es geht um nazistische Mütter und die Auswirkungen auf ihre Töchter. Und ich hatte das Gefühl, dass der Artikel eigentlich über mich geschrieben wurde. Ich habe ihn meinem Mann gezeigt, weil ich dachte, dass ich mir das einbilde. So wie ich das in Bezug auf dieses Thema immer denke. Er war aber auch meiner Meinung. Ich habe dann am nächsten Tag ein bisschen gegoogelt, um mehr zu diesem Thema zu finden und bin dabei auf folgende Seite gestoßen http://www.narzissmus.org/der-sundenbock-und-das-goldene-kind/

Dieser Artikel hatte eigentlich noch eine größere Wirkung auf mich, da er exakt meine Herkunftsfamilie beschreibt. Bis hin zu identischen Aussagen. Mein Psychiater sagt mir das jetzt schon viele Jahre. Aber ich konnte es bis jetzt nicht glauben. Ich fand es immer logisch was er gesagt hat, aber ich konnte nicht glauben, dass es stimmt. Weil er ja meine Herkunftsfamilie gar nicht kennt. Sondern nur von meinen Erzälungen. Und nach meiner Überzeugung kann man mir, meinen Gefühlen und Empfindungen nicht trauen. Aber es von jemand anderem zu lesen, dem ähnliches passiert ist, hat eine Menge in mir ausgelöst. Die Möglichkeit, dass es doch so ist wie es der Psychiater sagt. Ich kann die Gefühle die in mir sind gar nicht beschreiben. Einmal ist es Hoffnung. Hoffnung darauf, dass ich keine große Schuld auf mich geladen habe. Hoffnung darauf, dass ich frei bin und mein Leben leben darf, so wie ich es möchte. Mit authentischen Beziehungen und tiefer Liebe. Im Hintergrund ist da aber immer noch der Zweifel. Eine Stimme die mir sagt, du kannst das gar nicht beurteilen. Du warst schon immer komisch und wir haben schon genug unter dir gelitten. Und dann irgendwas ganz großes. Ich glaube eine ganz, ganz große Traurigkeit und Verzweiflung. Mir sind so viele Verletzungen eingefallen. Und ich bin bis jetzt immer davon ausgegangen, dass ich im Unrecht bin darüber Schmerz zu empfinden. Aber was wäre wenn er berechtigt ist und ich ihn zulassen dürfte. Wenn ich endlich einmal fühlen und loslassen dürfte? Irgendwie ist das alles gerade noch viel zu groß. Ich habe das Gefühl, dass es wenn ich es rauslasse, mich zerreißen würde. Mein Psychologe meinte, dass dies normal ist, da es mein gesamtes Welt- und Selbstbild auf den Kopf stellt. Und dass es ein langer Prozess sein wird. Aber irgendwann muss es raus und ich muss es betrauern, damit es irgendwann aufhört. Aber ich habe das Gefühl, dass ich mir dafür sicher sein muss. Und irgendwie kann ich das nicht. Ich bin viel zu abgelenkt, weil ich dauernd darüber nachdenken muss, ob es wirklich stimmt. Oder ich mir das nicht nur alles einbilde und meiner Herkunftsfamilie ein riesiges Unrecht tue.

 

 

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