Die Einzige meiner Art

In den letzten Jahren ist mir klar geworden, dass meine Erkrankung keine Phase ist, die wenn ich mich anstrenge und mich zusammen reiße verschwindet. Nach vielen Tiefpunkten und Rückschlägen ist mir klar geworden, dass diese Herangehensweise eigentlich total kontraproduktiv ist.

Rückblickend habe ich mich immer nur schuldig gefühlt, dass ich einfach nicht so funktioniere wie andere. Besonders meiner Familie gegenüber. Nach außen hin konnte ich alle Symptome immer sehr gut verstecken und überspielen. Aber 24 Stunden am Tag kann ich mich einfach nicht zusammen reißen. Irgendwann kommen die Gefühle dann doch raus. In solchen Momenten fühle ich mich immer sehr schlecht und schuldig. Ich versuche mich dann noch mehr anzustrengen, zusammenzureißen und zu funktionieren. Irgendwann komme ich dann aber immer wieder an einen Punkt, an dem gar nichts mehr geht und ich einfach nur noch erschöpft bin. Im Moment versuche ich mir immer wieder zu sagen, dass es eine Krankheit ist und niemand etwas dafür kann, krank zu sein.

Vor ein paar Wochen habe ich zufällig von Radio Sonnengrau gehört. Das ist eine Radiosendung, in der es um psychische Erkrankungen geht. Ich habe mir einfach mal eine Sendung bei YouTube angehört und bin total begeistert. Das ist jetzt vielleicht acht Wochen her und ich habe jetzt schon fast alle Sendungen nachgehört. Und es hilft mir total von anderen zu hören, dass es ihnen ähnlich geht. Dass ich nicht der einzige Mensch bin, der solche Probleme hat und dass ich mich nicht dafür schämen muss eine Krankheit zu haben und auch nicht Schuldig bin. Ich hatte immer das Gefühl alles was ich mache besser machen zu müssen, als alle anderen um meine Defizite irgendwie auszugleichen. Aber dadurch, dass ich die Geschichten und Tips von anderen gehört habe, habe ich das Gefühl, dass ich das vielleicht gar nicht muss und das fühlt sich total befreiend an. Es dauert bestimmt noch lange, bis ich das wirklich kann, aber dass ich das erstmal für mich erkannt habe fühlt sich schon mal sehr gut an. Ich muss alle Symptome als Krankheit annehmen und nicht als Schuld und Versagen sehen.

Ich traue mich noch nicht, in meiner direkten Umgebung offen damit umzugehen. Ich glaube dass ich noch nicht stark genug bin, damit umzugehen wenn jemand negativ und mit Ablehnung und Unverständnis reagiert. Aber ich hoffe, dass ich es irgendwann einmal kann. Mir ist klar geworden, dass es nichts bringt sich zusammen zu reißen und zu verstellen.

Ich bin sehr froh und dankbar dafür, dass es Menschen gibt, die so mutig sind, öffentlich über psychische Erkrankungen  zu sprechen. Es hilft mir und ich denke mal auch vielen anderen Betroffenen sehr. Wenn ich von Menschen höre, die mir total sympathisch sind und ähnliche Probleme haben wie ich, dann denke ich, dass ich ja vielleicht doch gar nicht so schrecklich bin, wie ich es immer angenommen habe.

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