Die Arbeit und die Angst

Wie schon in meinem letzten Beitrag erwähnt ist es bei mir mit dem Thema Arbeit immer ein hin und her zwischen dem Wunsch neues zu lernen und der Angst und den Selbstzweifeln neuen Aufgaben nicht gewachsen zu sein.

Ich finde das Berufsfeld in dem ich arbeite sehr spannend und es gibt viele Bereiche die mich interessieren. Manchmal überwiegt dieses Gefühl. So war es auch vor ungefähr anderthalb Jahren. Ich wollte unbedingt noch ganz viel neues Lernen. Icb suchte mir eine Arbeitsstelle von der ich dachte, dass dies dort möglich sei. Vorher wurde mir gesagt, dass ich gut eingearbeitet werden würde und erstmal mit einer Kollegin zusammen arbeiten würde. Das hat mich sehr beruhigt. An meinem ersten Tag lernte ich die dafür zukünftige Kollegin kennen. Sie wusste bis jetzt aber noch gar nichts davon und sagte mir, dass sie nicht gerne einarbeitet und das auch eigentlich gar nicht macht. Meine Unsicherheit war wieder da. Ich wollte ihr nicht zur Last fallen. Ich hatte Angst nicht schnell genug zu lernen. Ich hatte immer ein schlechtes Gewissen sie etwas zu fragen, andererseits hatte ich aber auch Angst Fehler zu machen, wenn ich nicht frage. Dazu kam noch das die Arbeit am neuen Arbeitsplatz sehr hektisch war und auch die anderen Kollegen nur wenig Zeit hatten.

Als ich ungefähr drei Wochen dort gearbeitet hatte, hatte ich einen Termin beim Psychiater und er fragte mich, wie es mir denn bei der  neuen Arbeit gefällt. Ich fing an zu weinen und dann kamen alle Gefühle hoch. Ich sagte, dass ich meine Ängste und Selbstzweifel einfach nicht mehr aushalte. Ich konnte einfach nicht mehr aufhören zu weinen.

Der Psychiater wollte mich unbedingt krank schreiben, aber ich wollte das nicht. Ich wollte es so gerne dort schaffen. Und ich habe mich auch irgendwie so sehr geschämt. Ich fühlte mich wie ein totaler Versager. Ich wollte es unbedingt noch mal versuchen. Aber der nächste Tag war noch viel schlimmer als alle davor. Ich rief erneut beim Psychiater an und er überzeugte mich davon mir eine Krankschreibung abzuholen. Ich stand total neben mir und fiel in ein tiefes Loch. Die Arbeit war so wichtig für mich und mein Selbstbild. Ich hatte solche Angst vor den nächsten Tagen. Wie ich damit umgehen soll, dass ich nicht weiß wie es weiter geht. Ich hatte panische Angst davor bei der Arbeit anzurufen und mich krank zu melden. Ich dachte, dass ich es einfach nicht sagen kann, sondern eher einfach tot umfalle. Ich war total unruhig und schämte mich so sehr.

Irgendwann wurden diese Gefühle aber besser. Es hat mir in dieser Zeit sehr geholfen oft ins Fitnessstudio zu gehen, um mich dort abzulenken.

Mein Psychiater schlug mir vor eine Therapie in der Tagesklinik zu machen. Ich machte mir Gedanken darüber konnte mich aber nicht damit anfreunden. Ich wollte unbedingt, dass jetzt alles wieder normal ist. Außerdem hätte ich mich dann outen müssen und ich hatte Angst vor den Reaktionen. Im Nachhinein kommt mir das total blöd vor. Aber ob ich mich heute trauen würde bezweifle ich. Ich weiß nicht, ob die Tagesklinik das richtige Angebot für mich gewesen wäre. Aber zumindest war es eine Chance für einen kompletten Neuanfang.

Jetzt arbeite ich in einem sehr netten Unternehmen und fühle mich dort angenommen. Es weiß dort keiner von meiner Erkrankung. Aber ich glaube wenn ich es mal erzählen müsste wären meine Chefinnen verständnisvoll und ich hätte keine Nachteile.

Wenn mir jemand anderes diese Geschichte erzählen würde, dann würde ich ihm sagen, dass es totaler Quatsch ist sich für eine Erkrankung zu schämen, aber bei mir selbst kann ich das leider noch nicht.

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