Antragsdschungel

Bevor ich in die Tagesklinik gegangen bin, dachte ich, dass ich einfach nur einen ruhigeren Job brauche. Alle meine Probleme habe ich auf den Stress bei der Arbeit zurückgeführt. Mit der Zeit wurde mir aber immer deutlicher, dass es diese Lösung nicht geben wird. Es gibt keinen Beruf, keine Branche und kein Team, in dem es keine Konflikte gibt. Das ist vollkommen unrealistisch. Dann kann ich weiterhin Jobs wechseln, aber es wird mir nicht weiterhelfen. Als erstes muss ich an mir selbst arbeiten.

Ich habe mich daran erinnert, dass mir mit ungefähr 20 klar geworden ist, dass ich mir instinktiv Männer suche, die mein negatives Selbstbild bestätigen und mich dementsprechend schlecht behandeln. Zu dieser Zeit habe ich mir vorgenommen erstmal keine Beziehung zu haben und mich darauf zu konzentrieren allein zurecht zu kommen. Das hat mir wirklich gut getan und nach ungefähr drei Jahren habe ich meinen jetzigen Mann kennen gelernt. Aber auf das  Thema Arbeit ist das nicht so einfach zu übertragen. Es wäre sehr schwierig erstmal gar nicht zu arbeiten und mich auch nicht um das Thema Arbeit zu kümmern. Irgendwie muss ich meinen Lebensunterhalt verdienen.

Nach der Tagesklinik war ich erstmal weiter krank geschrieben und habe den Tipp bekommen einen Termin beim Arbeitsamt zu vereinbaren. Dort erzählte ich von meiner Erkrankung, dass ich zur Zeit krank geschrieben bin und mir nicht mehr vorstellen kann weiterhin in der Pflege zu arbeiten. Ich habe vorher schon einiges schlechtes vom Arbeitsamt gehört, habe es selbst aber überhaupt nicht so empfunden. Jeder mit dem ich bis jetzt zu tun hatte war freundlich. Manche Mitarbeiter konnten mir bei meinen Fragen nicht weiterhelfen, aber ich habe mich nie schlecht behandelt gefühlt. Bei dem Beratungsgespräch hat mir die Mitarbeiterin empfohlen einen Antrag auf Leistung zur Teilhabe am Arbeitsleben (LTA) bei der Rentenversicherung zu stellen. Dort habe ich erstmal angerufen. Ich weiß nicht, ob andere ähnliche Erfahrungen gemacht haben, aber ich fand es immer unheimlich schwer bei der Rentenversicherung an Informationen zu kommen. Ich habe als erstes versucht, einen Termin für ein Beratungsgespräch zu vereinbaren, wie ich es auch bei der Agentur für Arbeit hatte. Bei der Rentenversicherung wurde mir dazu aber gesagt, dass man erst einen Termin bei einem Rehaberater/in bekommt, wenn der LTA-Antrag genehmigt wurde. Diesen habe ich mir dann aus dem Internet herausgesucht. Ich bin wirklich froh, dass ich damals noch in der Nachsorgegruppe der Tagesklinik war. Ich hätte sonst gar nicht gewusst, welche Anträge ich ausfüllen muss. Zum Glück konnte ich dort jede Woche die Sozialarbeiterin um Rat fragen. Allein wäre ich glaube ich vor den ganzen Anträgen verzweifelt.

Nach ein paar Wochen bekam ich einen Brief der Rentenversicherung mit dem Hinweis, dass sie nicht zuständig sind und den Antrag an die Arbeitsagentur weitergegeben haben. Dahinter standen bestimmt 20 mögliche Gründe, warum sie nicht zuständig sein könnten und der Hinweis, dass mindestens einer davon auf mich zutrifft. Jetzt (ein paar Monate später) habe ich erfahren, dass ich nur 14 und nicht 15 Jahre versichert bin. Es hat dann noch ein paar Wochen gedauert, aber dann hat sich die Arbeitsagentur bei mir gemeldet und ich bekam den lang ersehnten Termin bei der Rehaberaterin.

Bei diesem Etappenziel mache ich erstmal eine Pause, da es an dieser Stelle noch lange nicht vorbei ist mit dem Ausfüllen von Anträgen. Aber es gibt auch zu allen weiteren Punkten noch viel zu erzählen und dieser Text würde einfach viel zu lang werden. Zumindest ist hier schon ersichtlich, dass es wirklich nicht schnell vorwärts geht. Aber vielleicht ist das auch gar nicht so schlecht. Ich glaube ich habe die Zeit für mich konstruktiv genutzt. Und wie schon gesagt, auf einen Monat kommt es jetzt bei mir auch nicht mehr an.

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