Ankommen in der Arbeitswelt

Ich bin gerade noch mal meine schon geschriebenen Beiträge durchgegangen und dabei ist mir immer wieder das Thema Beruf aufgefallen. Beide Tiefpunkte die ich beschrieben habe, waren nach einem Arbeitsplatzwechsel. Es gab auch noch andere Auslöser. Aber das habe ich mir gleich mal auf meiner Ideenliste für neue Beiträge notiert. Erstmal möchte ich mir mal Gedanken über mich und das Thema Arbeit machen.

Am besten ich fange mal ganz von vorne an. Zur Schule bin ich eigentlich nie gern gegangen. Ich glaube Schule ist auch noch mal ein gutes Thema für meinen Ideenzettel.

Daher habe ich mich natürlich total gefreut, als ich direkt nach dem Abi einen Ausbildungsplatz bekommen habe. Studieren war nie eine Option für mich. Das wäre ja fast das gleiche wie Schule. Ich wollte unbedingt etwas praktisches und nützliches machen.

Direkt am Anfang der Ausbildung hatte ich einen Termin bei der Betriebsärztin. Damals ging ich relativ offen mit meiner Erkrankung um und erzählte, dass ich zur Zeit in psychiatrischer Behandlung bin und Antidepressiva nehme. Ich habe kein Problem darin gesehen. Ich hatte vorher oft mit meiner Psychiaterin über meinen Berufswunsch gesprochen und sie hat mich immer darin bestärkt. Außerdem hat die Betriebsärztin Narben von alten Selbstverletzungen gesehen. Sie sagte, dass ich die Ausbildung auf keinen Fall machen kann. Sie meinte, dass ich ja Medikamente klauen könnte und aggressiv gegen andere werden kann. Sie meinte es ist ja schwieriger aggressiv gegen sich selbst als gegen andere zu sein. Und wenn ich dann schon mich selbst verletzte, dann verletze ich ja andere erst recht. Ich habe noch nie etwas geklaut und nehme nur die Medikamente die ich verschrieben bekomme. Und ich habe auch noch nie jemand anderen verletzt. Könnte ich so einfach negative Gefühle gegen andere haben, wie gegen mich selbst, dann hätte ich ja das Problem gar nicht.

Ich war total aufgelöst und habe mich direkt an meine Psychiaterin gewendet. Sie hat mir sehr geholfen und ein Gutachten geschrieben, dass meine Krankheit keinen Einfluss auf die Ausübung des Berufes haben wird und dass ich ihrer Meinung nach sehr wohl geeignet dafür bin. Ich durfte dann nach einigem hin und her die Ausbildung beginnen. Aber ich musste alle drei Monate zu dieser Betriebsärztin und alle meine Lehrer wussten Bescheid. Die Termine bei der Betriebsärztin waren furchtbar. Außerdem hatte icb das Gefühl, dass ich auf keinen Fall auffallen darf und besser sein muss als die Anderen. Ich habe mich wahnsinnig unter Druck gesetzt. Wenn ich zurück denke weiß ich gar nicht mehr, wie ich die Ängste in dieser Zeit ausgehalten habe. Ich habe dann auch die Antidepressiva abgesetzt, weil die Betriebsärztin da so hinterher war. Außerdem musste ich die Behandlung bei der Psychiaterin abbrechen. Vorher war ich über meinen Vater privat versichert. In der Ausbildung musste ich mich aber selbst versichern. Und die Psychiaterin rechnete jetzt privat ab. Ich wollte mir dann auch niemand anderes suchen. Ich wollte einfach ganz normal und unauffällig die Ausbildung machen.

Im Nachhinein war es keine schöne Zeit. Nach der Ausbildung habe ich eine Stelle in dem Bereich bekommen, in dem ich unbedingt arbeiten wollte. Ich war total glücklich und motiviert! Aber als ich dort anfing waren alle Ängste und Selbstzweifel wieder da. Ich hatte Angst der neuen Herausforderungen nicht gewachsen zu sein, Fehler zu machen und im Team nicht integriert zu werden. Teilweise war bei der Arbeit die Angst so groß, dass Ich nicht mehr wusste wie man die alltäglichsten Tätigkeiten durchführt. Wie in einem vorherigen Beitrag beschrieben machte ich mich auf die Suche nach Hilfe und landete schließlich in der psychiatrischen Ambulanz. Es hat etwas gedauert, aber am Ende habe ich mich eingewöhnt. Ich fühlte mich wohl und die Arbeit machte Spaß.

Ich hatte gehofft, dass ich aus dieser Erfahrung lerne und es mir später leichter fällt mich neu einzugewöhnen. Aber auch bei späteren Arbeitsplatzwechseln waren die Ängste wieder da. Es ist bei mir immer ein hin und her zwischen dem Wunsch neues zu lernen und mich so fachlich weiter zu entwickeln und meinen Ängsten und Selbstzweifeln. Über meinen letzten Versuch werde ich einen separaten Bericht schreiben. Sonst wird dieser viel zu lang.

 

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