Die Arbeit und die Angst

Wie schon in meinem letzten Beitrag erwähnt ist es bei mir mit dem Thema Arbeit immer ein hin und her zwischen dem Wunsch neues zu lernen und der Angst und den Selbstzweifeln neuen Aufgaben nicht gewachsen zu sein.

Ich finde das Berufsfeld in dem ich arbeite sehr spannend und es gibt viele Bereiche die mich interessieren. Manchmal überwiegt dieses Gefühl. So war es auch vor ungefähr anderthalb Jahren. Ich wollte unbedingt noch ganz viel neues Lernen. Icb suchte mir eine Arbeitsstelle von der ich dachte, dass dies dort möglich sei. Vorher wurde mir gesagt, dass ich gut eingearbeitet werden würde und erstmal mit einer Kollegin zusammen arbeiten würde. Das hat mich sehr beruhigt. An meinem ersten Tag lernte ich die dafür zukünftige Kollegin kennen. Sie wusste bis jetzt aber noch gar nichts davon und sagte mir, dass sie nicht gerne einarbeitet und das auch eigentlich gar nicht macht. Meine Unsicherheit war wieder da. Ich wollte ihr nicht zur Last fallen. Ich hatte Angst nicht schnell genug zu lernen. Ich hatte immer ein schlechtes Gewissen sie etwas zu fragen, andererseits hatte ich aber auch Angst Fehler zu machen, wenn ich nicht frage. Dazu kam noch das die Arbeit am neuen Arbeitsplatz sehr hektisch war und auch die anderen Kollegen nur wenig Zeit hatten.

Als ich ungefähr drei Wochen dort gearbeitet hatte, hatte ich einen Termin beim Psychiater und er fragte mich, wie es mir denn bei der  neuen Arbeit gefällt. Ich fing an zu weinen und dann kamen alle Gefühle hoch. Ich sagte, dass ich meine Ängste und Selbstzweifel einfach nicht mehr aushalte. Ich konnte einfach nicht mehr aufhören zu weinen.

Der Psychiater wollte mich unbedingt krank schreiben, aber ich wollte das nicht. Ich wollte es so gerne dort schaffen. Und ich habe mich auch irgendwie so sehr geschämt. Ich fühlte mich wie ein totaler Versager. Ich wollte es unbedingt noch mal versuchen. Aber der nächste Tag war noch viel schlimmer als alle davor. Ich rief erneut beim Psychiater an und er überzeugte mich davon mir eine Krankschreibung abzuholen. Ich stand total neben mir und fiel in ein tiefes Loch. Die Arbeit war so wichtig für mich und mein Selbstbild. Ich hatte solche Angst vor den nächsten Tagen. Wie ich damit umgehen soll, dass ich nicht weiß wie es weiter geht. Ich hatte panische Angst davor bei der Arbeit anzurufen und mich krank zu melden. Ich dachte, dass ich es einfach nicht sagen kann, sondern eher einfach tot umfalle. Ich war total unruhig und schämte mich so sehr.

Irgendwann wurden diese Gefühle aber besser. Es hat mir in dieser Zeit sehr geholfen oft ins Fitnessstudio zu gehen, um mich dort abzulenken.

Mein Psychiater schlug mir vor eine Therapie in der Tagesklinik zu machen. Ich machte mir Gedanken darüber konnte mich aber nicht damit anfreunden. Ich wollte unbedingt, dass jetzt alles wieder normal ist. Außerdem hätte ich mich dann outen müssen und ich hatte Angst vor den Reaktionen. Im Nachhinein kommt mir das total blöd vor. Aber ob ich mich heute trauen würde bezweifle ich. Ich weiß nicht, ob die Tagesklinik das richtige Angebot für mich gewesen wäre. Aber zumindest war es eine Chance für einen kompletten Neuanfang.

Jetzt arbeite ich in einem sehr netten Unternehmen und fühle mich dort angenommen. Es weiß dort keiner von meiner Erkrankung. Aber ich glaube wenn ich es mal erzählen müsste wären meine Chefinnen verständnisvoll und ich hätte keine Nachteile.

Wenn mir jemand anderes diese Geschichte erzählen würde, dann würde ich ihm sagen, dass es totaler Quatsch ist sich für eine Erkrankung zu schämen, aber bei mir selbst kann ich das leider noch nicht.

Ankommen in der Arbeitswelt

Ich bin gerade noch mal meine schon geschriebenen Beiträge durchgegangen und dabei ist mir immer wieder das Thema Beruf aufgefallen. Beide Tiefpunkte die ich beschrieben habe, waren nach einem Arbeitsplatzwechsel. Es gab auch noch andere Auslöser. Aber das habe ich mir gleich mal auf meiner Ideenliste für neue Beiträge notiert. Erstmal möchte ich mir mal Gedanken über mich und das Thema Arbeit machen.

Am besten ich fange mal ganz von vorne an. Zur Schule bin ich eigentlich nie gern gegangen. Ich glaube Schule ist auch noch mal ein gutes Thema für meinen Ideenzettel.

Daher habe ich mich natürlich total gefreut, als ich direkt nach dem Abi einen Ausbildungsplatz bekommen habe. Studieren war nie eine Option für mich. Das wäre ja fast das gleiche wie Schule. Ich wollte unbedingt etwas praktisches und nützliches machen.

Direkt am Anfang der Ausbildung hatte ich einen Termin bei der Betriebsärztin. Damals ging ich relativ offen mit meiner Erkrankung um und erzählte, dass ich zur Zeit in psychiatrischer Behandlung bin und Antidepressiva nehme. Ich habe kein Problem darin gesehen. Ich hatte vorher oft mit meiner Psychiaterin über meinen Berufswunsch gesprochen und sie hat mich immer darin bestärkt. Außerdem hat die Betriebsärztin Narben von alten Selbstverletzungen gesehen. Sie sagte, dass ich die Ausbildung auf keinen Fall machen kann. Sie meinte, dass ich ja Medikamente klauen könnte und aggressiv gegen andere werden kann. Sie meinte es ist ja schwieriger aggressiv gegen sich selbst als gegen andere zu sein. Und wenn ich dann schon mich selbst verletzte, dann verletze ich ja andere erst recht. Ich habe noch nie etwas geklaut und nehme nur die Medikamente die ich verschrieben bekomme. Und ich habe auch noch nie jemand anderen verletzt. Könnte ich so einfach negative Gefühle gegen andere haben, wie gegen mich selbst, dann hätte ich ja das Problem gar nicht.

Ich war total aufgelöst und habe mich direkt an meine Psychiaterin gewendet. Sie hat mir sehr geholfen und ein Gutachten geschrieben, dass meine Krankheit keinen Einfluss auf die Ausübung des Berufes haben wird und dass ich ihrer Meinung nach sehr wohl geeignet dafür bin. Ich durfte dann nach einigem hin und her die Ausbildung beginnen. Aber ich musste alle drei Monate zu dieser Betriebsärztin und alle meine Lehrer wussten Bescheid. Die Termine bei der Betriebsärztin waren furchtbar. Außerdem hatte icb das Gefühl, dass ich auf keinen Fall auffallen darf und besser sein muss als die Anderen. Ich habe mich wahnsinnig unter Druck gesetzt. Wenn ich zurück denke weiß ich gar nicht mehr, wie ich die Ängste in dieser Zeit ausgehalten habe. Ich habe dann auch die Antidepressiva abgesetzt, weil die Betriebsärztin da so hinterher war. Außerdem musste ich die Behandlung bei der Psychiaterin abbrechen. Vorher war ich über meinen Vater privat versichert. In der Ausbildung musste ich mich aber selbst versichern. Und die Psychiaterin rechnete jetzt privat ab. Ich wollte mir dann auch niemand anderes suchen. Ich wollte einfach ganz normal und unauffällig die Ausbildung machen.

Im Nachhinein war es keine schöne Zeit. Nach der Ausbildung habe ich eine Stelle in dem Bereich bekommen, in dem ich unbedingt arbeiten wollte. Ich war total glücklich und motiviert! Aber als ich dort anfing waren alle Ängste und Selbstzweifel wieder da. Ich hatte Angst der neuen Herausforderungen nicht gewachsen zu sein, Fehler zu machen und im Team nicht integriert zu werden. Teilweise war bei der Arbeit die Angst so groß, dass Ich nicht mehr wusste wie man die alltäglichsten Tätigkeiten durchführt. Wie in einem vorherigen Beitrag beschrieben machte ich mich auf die Suche nach Hilfe und landete schließlich in der psychiatrischen Ambulanz. Es hat etwas gedauert, aber am Ende habe ich mich eingewöhnt. Ich fühlte mich wohl und die Arbeit machte Spaß.

Ich hatte gehofft, dass ich aus dieser Erfahrung lerne und es mir später leichter fällt mich neu einzugewöhnen. Aber auch bei späteren Arbeitsplatzwechseln waren die Ängste wieder da. Es ist bei mir immer ein hin und her zwischen dem Wunsch neues zu lernen und mich so fachlich weiter zu entwickeln und meinen Ängsten und Selbstzweifeln. Über meinen letzten Versuch werde ich einen separaten Bericht schreiben. Sonst wird dieser viel zu lang.

 

Therapiechaos

Vor ungefähr einem Jahr habe ich bei einem neuen Arbeitgeber angefangen. Ich war total motiviert etwas neues zu lernen. Das ist aber leider total nach hinten losgegangen und schon nach ungefähr zwei Wochen ging es mir so schlecht wie seit vielen Jahren nicht mehr. In der folgenden Zeit gab es immer wieder Tiefpunkte und mir ist klar geworden, dass es so nicht weiter geht und ich irgendetwas machen muss. Ich hatte auch das Gefühl, dass mein Psychiater und ich uns nach neun Jahren irgendwie festgefahren haben.

Daraufhin habe ich viel im Internet gelesen und E-Mails geschrieben. Irgendwann habe ich dann mit einer Psychologin telefoniert. Ich habe ihr kurz meine Geschichte erzählt und sie gefragt, ob man bei mir irgendwas verbessern kann, oder ob ich einfach damit leben muss. Sie sagte mir, dass man auf jeden Fall etwas machen kann. Sie hatte aber in absehbarer Zeit leider keinen freien Therapieplatz. Sie hat mir den Tip gegeben unter www.psych-info.de nach Verhaltenstherapeuten zu suchen. Sie hat mir Hoffnung gemacht und ich war total motiviert.

Ich habe mir die Homepages vieler Therapeuten angesehen und viele E-Mails geschrieben. Ein Psychologe hat mich auch recht schnell angerufen und ich konnte mir gut vorstellen bei ihm eine Therapie zu machen. Allerdings erzählte er mir dann, dass er keine Kassenzulassung hat und in der Regel nur privat abrechnet. Das hatte ich auf der Info Seite irgendwie übersehen. Es gab aber doch noch eine Möglichkeit mit der Krankenkasse abzurechnen. Ich brauchte eine Bescheinigung vom Hausarzt und vom Facharzt. Außerdem fünf Absagen von Therapeuten mit Kassenzulassung. Früher habe ich ganz naiv gedacht, dass die Krankenkasse den Versicherten helfen möchte, ihre gesundheitliche Situation zu verbessern. Aber das Gefühl hatte ich überhaupt nicht. Eher, dass es möglichst aufwendig sein soll. Hätte mein Mann mich nicht dabei unterstützt, dann hätte ich das nicht geschafft. Und ich denke es gibt viele Menschen, denen es schlechter geht, als mir damals und die vielleicht  niemanden haben, der sie unterstützt. Wie schwierig muss es für diese Menschen erst sein Hilfe zu bekommen.

Am Ende hat dann bei mir zum Glück doch noch alles geklappt und ich habe die Zusage für die Kostenübernahme von der Krankenkasse bekommen.

Ich konnte es gar nicht glauben, als es dann wirklich losging. Der Psychologe war ziemlich verwundert, dass therapeutisch bei mir bis jetzt so wenig passiert ist. Aber ich wusste auch gar nicht, welche Angebote es gibt. Wie bereits in einem vorherigen Beitrag erwähnt, hat der erste Hausarzt mit dem ich über meine Probleme gesprochen habe mir Antidepressiva verschieben und gesagt, dass Psychiater und Psychologen mehr Schaden, als nutzen und er mir davon abrät. Im Zuge des Antrags für die Therapie habe ich meinen Psychiater gefragt, ob er es für sinnvoll hält wenn ich eine Therapie machen würde und ob er mir dafür einen Zettel für die Krankenkasse ausfüllen kann. Er meinte dann, dass es schon sinnvoll ist und die Ambulanz das ja gar nicht leisten kann. Aber warum wurde mir das denn nicht schon eher gesagt. Bis jetzt war es immer so, dass mich jeder über das informiert hat, was er anbieten kann. Aber mir fehlt wirklich mal eine komplette Übersicht über alle Möglichkeiten, die es gibt.

Ich habe die Aussage, dass man sich bei psychischen Problemen nur Hilfe holen muss schon so oft gelesen, aber meiner Erfahrung nach ist das gar nicht so einfach.

Im Moment habe ich ein sehr gutes Gefühl bei der Therapie. Ich traue mich aber noch nicht mir allzu große Hoffnungen zu machen.

Auf der Suche nach Hilfe

Ich weiß nicht, ob es vielen anderen auch so geht, aber ich fand es total schwer kompetente Hilfe zu finden. Nach meiner Ausbildung habe ich den Arbeitsplatz gewechselt. Bei der neuen Arbeit wurden die Ängste für mich einfach unerträglich. Ich bin daraufhin zu meinem Hausarzt gegangen und habe über meine Probleme gesprochen, was mir immer extrem schwer fällt. Er hat mir damals Paroxetin verschrieben. Ich war bereit Antidepressiva zu nehmen, da ich die Ängste einfach nicht mehr aushalten konnte. Aber so eine komplette Lösung war das für mich nicht. Ich fragte nach einer Überweisung zum Psychologen oder Psychiater. Der Hausarzt sagte daraufhin, dass es seiner Meinung nach Quatsch ist. Er meint, dass Psychiater und Psychologen mehr Schaden, als nutzen.

Zum Glück hat mich auch mein Mann in meinem Wunsch nach weiterer Behandlung unterstützt. Ich habe einfach in den gelben Seiten nach Psychotherapie gesucht und in einigen Praxen angerufen. Damals habe ich dann auch recht schnell einen Termin bekommen. Ob die Frau Psychologin oder Psychiaterin ist weiß ich gar nicht mehr. Ich war ein paar Minuten vor beginn des Termins in der Praxis. Ich war ja zum ersten Mal dort umd wusste nicht, ob ich sie direkt finde. Sie hat mir die Tür aufgemacht und gesagt, dass ich zu früh bin und sie noch keine Zeit hat. Sie sagte, dass ich mich dann halt noch einen Moment setzen muss. So richtig wohl und willkommen fühlte ich mich dort nicht. Nach ein paar Minuten durfte ich dann in ihr Behandlungszimmer kommen. Sie fragte mich, warum ich da bin. Ich erzählte von meinen Ängsten. Ich sagte auch, dass ich schon zweimal in Behandlung war, es jetzt aber wieder viel schlimmer geworden ist und ich gerne daran arbeiten möchte. Sie sagte, dass ich die Situationen genauer beschreiben soll. Dies versuchte ich, aber sie unterbrach mich und meinte, dass ich das falsch mache. Ich versuchte es noch mal, aber es war wieder falsch. Ich verstand aber nicht so richtig warum und was sie denn eigentlich von mir hören wollte. Ich fühlte mich in der Situation total unwohl. Ich sagte zu der Therapeutin, dass ich glaube, dass die Behandlung hier nicht das Richtige für mich ist. Es Wundert mich jetzt beim Schreiben sogar noch, dass ich mich das damals getraut habe zu sagen. Sie sagte, dass sie das auch so sieht. Sie meinte, dass sie es eine Frechheit findet, dass ich mit so vielen Wünschen zu ihr komme und noch nicht mal meine Probleme beschreiben kann. Dazu habe ich nichts gesagt. Ich wollte einfach nur so schnell wie möglich weg. Damal musste man allerdings noch 10€ Praxis-Gebühr bezahlen und die hatte ich ihr am Anfang der Stunde schon gegeben. Sie hat gesagt, dass sie mir eine Überweisung schreiben kann. Ich habe sie gefragt, wie lange diese gültig ist, da es ja manchmal etwas dauert einen Termin zu bekommen. Daraufhin ist sie richtig sauer geworden. Sie hat gesagt, dass ich sie ja so was nicht fragen kann. Sie ist ja schließlich keine Arzthelferin und dass ich ja wohl total unselbstständig bin und mich um nichts selber kümmern kann.

Ich habe dann die Überweisung genommen, bin schnell aus der Praxis gegangen und habe den restlichen Tag geweint. Als ich meinem Mann davon erzählte meinte er, dass wir das unbedingt der Krankenkasse melden müsssn. Leider haben wir das nie gemacht. Es wäre aus meiner jetzigen Sicht aber total wichtig gewesen, da ja niemand zu ihr kommt, dem es psychisch gut geht.

Hätte mich mein Mann nicht unterstützt wäre ich wahrscheinlich nie wieder in eine psychiatrische Praxis gegangen. Aber ich dachte mir, dass ich es ja noch ein einziges Mal versuchen kann. Mir fiel ein, dass ich mal von der Institutsambulanz des psychiatrischen Krankenhauses gehört habe. Ich habe dort angerufen und auch recht schnell einen Termin bekommen. Dort waren alle sehr nett und freundlich. Und auch das Gespräch mit dem Psychiater hat mir sehr gut gefallen. Ich bin jetzt schon seit neun Jahren dort in Behandlung  und froh eine Anlaufstelle zu haben.

Aber es war auch wirklich Glück und Zufall dass ich von diesem Angebot erfahren habe. Ich finde, dass es für psychisch Kranke Menschen viel leichter sein müsste Hilfe zu bekommen. Gerade weil es den meisten gerade wenn sie am meisten Hilfe brauchen es am schwersten fällt sich um etwas zu kümmern!

Hauptsache es geht schnell

Mir kommt es oft so vor, als wäre es aus Sicht der Gesellschaft so, dass eine kurze depressive Episode schon okay ist. Aber dann muss man eine Therapie machen und dann muss es aber auch wieder gut sein. Und es muss dann auch schnell gehen. Als könnte der Psychiater oder Psychologe zaubern. Als müsste man da nur hingehen und schon geht es einem viel besser.

Früher habe ich das auch gedacht bzw. gehofft. Und umso schlechter habe ich mich gefühlt, als es dann nicht so war. An die ersten Termine mit 13 kann ich mich kaum noch erinnern. Aber ich glaube geholfen hat es mir nicht viel. Ich habe mich danach immer nur ganz schlecht gefühlt. Ich dachte, wenn selbst die mir nicht helfen können ist es meine Schuld und ich bin einfach nicht richtig so wie ich bin. Ich habe versucht das zu verstecken. Ich wollte normal sein und habe versucht alles so zu machen, wie „normale“ Jugendliche das halt so machen.

Beim zweiten Mal mit 18 haben mir die Gespräche mit der Psychiaterin sehr geholfen. Ich habe einige Gründe für meine Gefühle herausgefunden. Außerdem habe ich an einigen Dingen gearbeitet und nach einiger Zeit ging es mir auch besser. Dann hatte ich leider mal wieder ein Erlebnis von dem ich euch später in einem extra Text erzählen werde, durch das ich wieder dachte, dasselbe es jetzt wirklich gut sein muss und es an der Zeit für mich ist endlich „normal“ zu sein.. Deshalb habe ich nicht weitergemacht, sondern versucht die Krankheit einfach zu unterdrücken.

Als ich länger mit meinem jetzigen Mann zusammen war und mich ihm anvertraut habe ist mir klargeworden, dass ich versuchen möchte an meinem Problem zu arbeiten. Daraufhin bin ich bei meinem jetzigen Psychiater gelandet. Obwohl ich kurz vorher noch ein unglaubliches Erlebnis mit einer Therapeutin hatte. Davon erzähle ich euch aber in einem extra Text. Sonst wird dieser hier viel zu lang. Auf jeden Fall bin ich dort jetzt schon seit 9 Jahren in Behandlung. In guten Zeiten komme ich nur alle 3 Monaten in schlechten ungefähr alle zwei Wochen und im Moment glaube ich auch, dass das so bleiben wird. Zumindest glaube ich, dass ich immer mal wieder Unterstützung brauchen werde.
In meiner Umgebung kommt es mir oft so vor, als würden viele Menschen glauben, dass alles nur eine Frage der eigenen Organisation und Selbstdisziplin ist. Ich habe das auch immer wieder versucht, aber es hat nicht funktioniert. Ich muss akzeptieren, dass ich weiterhin Hilfe brauche und mich immer wieder neu motivieren muss gegen negative Gefühle anzukämpfen und nicht wieder in alte Verhaltensweisen zurück zu fallen.

Was habe ich denn eigentlich?

So genau kann ich euch gar nicht sagen, was ich eigentlich habe. Zumindest keine ganz klare Diagnose.

Mit 13 war immer die Rede von einer depressiven Episode, was ja in der Pubertät nicht so selten vorkommt und sich dann wahrscheinlich auch wieder verwächst. Als ich dann mit 18 das zweite Mal in Behandlung war ging es eigentlich auch immer nur um Depressionen. Erst als ich mit 24 Jahren erneut beim Psychiater war meinte er, dass es sich eher um eine Angststörung, als um eine klassische Depression handelt. Er meinte, dass die depressiven Symptome durch die Überforderung auf Grund der ständigen Angst auftreten. Als ich länger bei ihm in Behandlung war und es mir zwischenzeitlich auch wesentlich schlechter ging, meinte er, dass ich wahrscheinlich an einer ängstlich-, unsicheren Persönlichkeitsstörung leide.

Der Begriff Persönlichkeitsstörung hat mir wirklich Angst gemacht. Ich finde die Vorstellung total furchtbar, dass meine gesamte Persönlichkeit gestört ist. Bei anderen Erkrankungen betrifft die Störung ja nur bestimmte Bereiche des Körpers, aber die Persönlichkeit betrifft mich ja wirklich insgesamt als Menschen. Mir fällt es wirklich schwer das anzunehmen, obwohl ich in mir drin weiß, dass es stimmt.

Später kam dann auch noch der Begriff emotionale Instabilität dazu. Eigentlich weiß ich, dass es stimmt, aber es fällt mir sehr schwer mich damit abzufinden. Wonach soll ich mich denn richten, wenn ich mir nicht sicher sein kann, dass ich meinen Emotionen trauen kann. Außerdem wurde mir klar, dass es nicht plötzlich besser werden wird. Sondern eine Persönlichkeitsstörung bleiben wird. In schlechten Phasen wusste ich einfach nicht, wie ich die Kraft haben soll immer weiter dagegen anzukämpfen. Aber ich habe auch immer wieder erfahren, dass es sich lohnt zu kämpfen. Ich schöne Momente mit meiner Familie erleben, für meine Kinder da sein und sie begleite möchte.

Die Erkrankung zu akzeptieren fällt mir aber immer noch sehr schwer. Ich habe schon oft versucht einfach zu beschließen, dass es jetzt einfach mal gut sein muss und ich mich jetzt zusammen zu reißen werde. Ich habe dann einfach versucht nur noch zu arbeiten und wie eine Maschine zu funktionieren. Für ganz kurze Zeit ging das auch, aber dann überwog immer die Erschöpfung und es folgte der nächste Tiefpunkt.

Jetzt bin ich an dem Punkt, an dem ich denke, dass ich früher oder später die Erkrankung einfach akzeptieren muss. Ich muss andere Strategien finden damit umzugehen, als immer wieder bis zur totalen Erschöpfung zu arbeiten.

 

Ich wünsche mir, dass sich etwas verändert

Ich möchte schon ganz lange etwas zu dem Thema psychische Erkrankungen schreiben. Jetzt werde ich endlich mal damit anfangen. Immer wieder merke ich, dass dies noch immer ein Tabu-Thema ist und ich wünsche mir, dass dies sich ändert. Aus diesem Grund möchte ich einfach anfangen darüber zu sprechen.

Ich war mit 13 das erste Mal in psychiatrischer Behandlung. Jetzt bin ich 33. ich hatte immer wieder gute und schlechte Phasen und das wird mit großer Wahrscheinlichkeit auch so bleiben. In letzter Zeit habe ich viel darüber nachgedacht, dass ich es eigentlich total blöd finde, dass ich kaum jemanden davon erzähle. Eigentlich wissen nur mein Mann und zwei sehr gute Freundinnen davon. Ich denke, dass man ja über jede andere chronische Erkrankung auch offen sprechen kann. Als ich 19 war, bin ich sehr offen mit der Situation umgegangen. Leider habe ich beruflich und privat aber sehr schlechte Erfahrungen gemacht. Seitdem habe ich nicht mehr darüber gesprochen. Außerdem habe ich immer wieder erlebt, wie andere über das Thema und abschätzig über Betroffene Menschen sprechen, ohne zu wissen, dass ich auch betroffen bin. Das ärgert mich immer und ich glaube dass ein offener Umgang mit dem Thema vieles erleichtern würde. Andererseits habe ich auch Angst davor. Ich befürchte nicht mehr ernst genommen zu werden. Ich bin zwar psychisch krank aber ich möchte trotzdem ein erfülltes Leben führen. Ich bin sehr gerne Mutter und habe einen Beruf, der mir Spaß macht. Ich weiß, dass es immer wieder Rückschläge geben wird, aber trotzdem möchte ich ein erfülltes Leben leben. Und ich glaube, dass es viele andere gibt, denen es genauso geht!

Ich wünsche mir, dass sich in Zukunft etwas an der Einstellung der Gesellschaft gegenüber Menschen mit psychischen Erkrankungen ändert. Ich hoffe, dass jeder Betroffene dann offener mit seiner Erkrankung umgehen kann. Genau so, wie es zur Zeit z.B. ein Diabetiker tun kann.

Ich möchte mit dieser Seite zumindest einen kleinen Beitrag dazu leisten! Also schreibt mir bitte, was ihr über dieses Thema denkt und welche Erfahrungen ihr gemacht habt. Ich werde alle eure Fragen möglichst ehrlich beantworten.