Viele Modi und mein Monster

Ich möchte in diesem Beitrag ein bisschen mehr über die stationäre Therapie erzählen. Auf der Psychotherapiestation auf der ich war, wird schematherapeutisch gearbeitet. Die Schematherapie ist ein Mix aus Verhaltenstherapie und tiefenpsychologischer Therapie.

In unserer Kindheit entstehen durch belastende Situationen problematische Elternmodi. Sie sagen uns Dinge wie z.B. „reiß dich zusammen“, „du musst dich mehr anstrengen“, oder „du bist zu dumm dafür“. Dies muss aber nicht durch die Eltern geschehen. Es können auch Lehrer, Trainer oder mobbende Mitschüler sein. Dadurch fallen wir auch heute noch in den Modus des ängstlichen, verletzten oder wütenden Kindes. Um dies zu kompensieren entwickelt jeder Mensch in seinem Leben verschiedene Kompensationsmethoden, die Bewältigungsmodi. Hier wird zwischen Vermeidung, Erduldung und Überkompensation unterschieden. Alle diese Modi sind für uns heute als Erwachsener destruktiv. Es gibt aber auch zwei gesunde Modi, den des glücklichen Kindes und den des gesunden Erwachsenen.

Als erstes ging es darum bei uns die verschiedenen Modi zu erkennen und zu verstehen, dass sie aus unserer Vergangenheit kommen. Am Anfang fühlte ich mich komplett überfordert. Ich konnte sehen, dass ich einen riesigen strafenden Elternmodi habe und auch, dass ich je nach Situation sehr stark die Bewältigungsmodi nutze, um mein verletztes Kind zu schützen. Ich habe die Therapie am Anfang aber so verstanden, dass ich die Bewältigungsmechanismen ablegen muss. Das konnte ich mir überhaupt nicht vorstellen. Ich hatte das Gefühl, dass ich dem strafenden Elternmodus dann komplett ausgeliefert wäre. Der Psychologe hat mir dann aber erklärt, dass es darum nicht geht. Erstmal geht es nur um das Verstehen. Diese Modi haben auch gesunde Menschen. Bei einigen psychisch erkrankten Menschen ist es aber so, dass sie übermächtig werden und die Menschen so unflexibel in ihrem Handeln sind. Das Ziel ist es also flexibel zu werden und im Alltag mein Verhalten erkennen zu können. Oder auch die Bewältigungsmodi bewusst als Skill zu nutzen. Das hat mich sehr beruhigt und ich konnte mir wieder vorstellen daran weiter zu arbeiten.

Die Schematherapie ist eine recht neue Methode. Daher gibt es noch nicht ausreichend Studien zur Wirksamkeit. Aus diesem Grund wird sie von den Krankenkassen noch nicht bezahlt. es ist deshalb auch schwierig Therapeuten zu finden, die diese Methode ambulant anbieten. Kliniken können sie aber schon nutzen, da sie neben dieser auch viele andere Methoden anbieten.

Ich habe mich wärend des Krankenhausaufenthaltes viel mit dem strafenden Elternmodus beschäftigt. Auch in der Malgruppe war er immer wieder Teil meiner Bilder. Ich hatte das Gefühl, dass er immer größer, bedrohlicher und lauter wird. Der Psychologe meinte, dass ich lange genug gegen ihn gekämpft habe und es nicht wirklich geholfen hat. Und dass es vielleicht Zeit ist ihn als Teil von mir zu akzeptieren. Ihm kommt es bei mir so vor, als wüsste ich recht genau, welchen Weg ich gehen möchte. Dann springt mir aber immer wieder ein Monster in den Weg. Und dieses Monster ist mein strafender Elternmodi aus der Vergangenheit. Da das kämpfen nichts gebracht hat und es nicht einfach weggehen wird, war der Vorschlag es in einen Käfig zu sperren und mit mir mitzunehmen. So richtig vorstellen kann ich mir das aber noch nicht. Wenn ich das Monster in einen Käfig sperre und hinter mir herziehe wird es mich ja die ganze Zeit vollquatschen. Aber eine bessere Idee habe ich auch noch nicht. Kämpfen hat nichts gebracht und wenn ich weglaufe kommt es hinterher. Ein anderer Ansatz den mir der Psychologe gesagt hat, ist es den gesunden Erwachsenen zu stärken. Er sagte, dass dies auch gut bei ex&job möglich ist. Das kann ich mir schon wesentlich besser vorstellen und vielleicht fällt mir in der Zwischenzeit auch ein, was ich mit meinem Monster anfangen soll.

Voll und ganz wieder in der echten Welt angekommen

Guten Morgen ihr Lieben,

ich bin aus dem Krankenhaus entlassen. Schon seit dem 13.3. aber bevor ich schreiben konnte musste ich alles erstmal sortieren. Jetzt bin ich aber wieder voll und ganz in der echten Welt angekommen und habe euch ganz viel zu erzählen.

Die Therapie im Krankenhaus war sehr hart und anstrengend. Zwischendurch habe ich auch wirklich daran gezweifelt, ob es die richtige Entscheidung war und ich hätte am liebsten früher abgebrochen. Aber ich muss sagen, dass es mir seitdem ich zu Hause bin wirklich gut geht und ich glaube immer mehr, dass mir die stationäre Therapie wirklich viel gebracht hat. Ich habe mir auch zwischendurch immer wieder gesagt, dass ich ja extra die Therapie stationär mache, weil mir klar war, dass es mir dabei schlecht gehen wird.

In der ersten Woche war es noch sehr langweilig. Ich hatte noch gar keine Gruppen und meist war die Ergotherapie mein einziger Termin am Tag. Am meisten Sorge hatte ich vor dem ersten Wochenende, weil man dann noch nicht nach Hause darf und es außer den Mahlzeiten keine Termine gibt. Ich war aber wirklich positiv überrascht, dass es überhaupt nicht schlimm war. Ich hatte mir in der Ergotherapie Stricknadeln und Wolle ausgeliehen und habe mit YouTube-Videos angefangen stricken zu lernen. Außerdem hatte ich das Glück, dass in der Woche in der ich aufgenommen wurde auch noch mehrere andere neu gekommen sind, mit denen ich mich allen sehr gut verstanden habe.So nach ungefähr einer Woche ging es dann aber richtig los und ich vermisste ganz schnell die Ruhe der ersten Woche, was ich nie vermutet hätte. Ich war ziemlich schnell in vielen Gruppen. Darunter Tanztherapie, Malgruppe, Gestalttherapie, Schematherapiegruppe, Stressbewältigung und Depressionsbewältigung. Zu der Therapie und den Inhalten der Gruppen schreibe ich noch mal einen separaten Beitrag. Da gibt es auch noch eine Menge zu berichten. Zusätzlich hatte ich einmal in der Woche Einzelgespräche mit meiner Bezugspflegekraft und einmal mit meinem Bezugstherapeuten. Der Psychologe ist wirklich super. Ich habe mich sehr wohl gefühlt und konnte ab der ersten Stunde wirklich über alles sprechen. Daher sind wir aber auch schnell an die Punkte gekommen, die wirklich weh tun. Die ersten drei Wochen haben wir noch wirklich viel über die Vergangenheit gesprochen, da es mir dann aber extrem schlecht ging haben wir das Ziel angepasst. Es ging dann mehr darum die Vergangenheit und alles was sie mit mir gemacht hat als Teil von mit anzunehmen und zu akzeptieren. Mir ist bewusst geworden, dass ich viele Gefühle lange verdrängt habe und teilweise selbst gar nicht mehr hinter meine Fassade gucken konnte. Und dann kamen alle Gefühle auf einmal. Und haben mich komplett überfordert. Im Nachhinein muss ich sagen, dass es die richtige Entscheidung war die Therapie stationär zu machen. Da ich erstmal mit meinem sonstigen Alltag komplett überfordert gewesen wäre, und weil dort auch immer Jemand zu Unterstützung da war. Das gesamte Team dort ist wirklich toll und engagiert. Ich hoffe nicht, dass ich noch mal eine stationäre Therapie machen muss, aber wenn, dann würde ich immer wieder dort hingehen.

Mein Entlassungstermin war eigentlich für den 26.3. geplant. Dann kam aber Corona und auf Grund der Schulschließungen wurde es bei uns zu Hause mit der Kinderbetreuung schwierig. Daher habe ich mich schon am 13.3. dazu entschlossen mich vorzeitig entlassen zu lassen. Das war aber in Ordnung. Mein Bezugstherapeut hätte ab der nächsten Woche sowieso Urlaub gehabt und wir haben am Tag vorher schon das Abschlussgespräch gehabt. Es war also eine runde Sache.

Im Moment warte ich darauf, dass die medizinisch-berufliche Reha beginnt. Eigentlich sollte es recht nahtlos nach meiner Krankenhausentlassung losgehen. Aber auch das wurde auf Grund von Corona verschoben. Die Mitarbeiterin meinte, dass es vor dem 20.4. definitiv nicht losgeht. Ich bin also mal gespannt, was die neue Woche bringt. Zur Zeit ist es für uns natürlich mit der Kinderbetreuung super, dass ich gerade zu Hause bin. Das ist ja für sehr viele andere gerade sehr viel anstrengender und schwieriger! Ich hoffe es geht euch allen gut und ihr kommt gut durch diese chaotische Zeit!