Inspiration für eine positivere Sicht

Das Datum der Krankenhausaufnahme rückt immer näher und ich werde immer aufgeregter. Es könnte von mir aus nochmal nach hinten verschoben werden. Ich bin mir immer noch sicher, dass ich das so machen möchte. Aber da es jetzt plötzlich losgeht habe ich schon Angst. Das ganze letzte Jahr habe ich gefühlt immer nur irgendwas beantragt und so wirklich passiert ist eigentlich wenig. Aber jetzt soll es nächste Woche wirklich losgehen. Andererseits bin ich aber auch froh. Ich glaube es ist so langsam wirklich an der Zeit.

Da ja aber noch gar nicht wirklich etwas neues passiert ist, möchte ich damit weiter machen euch von Dingen zu erzählen, die mir im letzten Jahre geholfen haben. Ich habe durch Zufall den YouTube Kanal „der Krebs hat Krebs gefunden“.https://www.youtube.com/channel/UC98CRvsm9WPSPsZW2hSI6HA

Bis jetzt gibt es schon 69 Teile und ich habe vor einigen Monaten irgendwo in der Mitte angefangen zuzuhören. Da mich die Geschichte aber so sehr interessiert hat, bin ich zurück gegangen zum Eröffnungsvideo und habe dann nach und nach wirklich alle Teile gesehen, bzw. gehört. Ich höre der Anuschka, die in diesem Kanal ihre Geschichte erzählt einfach gerne zu, da sie eine sehr sympathische und lustige Art hat. Außerdem hat mich ihre Sichtweise total inspiriert und mich ermutigt meinen Weg so weiter zu gehen, wie ich ihn gegangen bin. Ich denke schon lange darüber nach, wie ich das ganze Schreiben soll. Ich finde es ist so schwer zu vergleichen. Und häufig macht es mir auch ein schlechtes Gewissen, da ich keine potenziell lebensbedrohliche Erkrankung habe. Aber ich wollte trotzdem unbedingt davon erzählen, da mich ihre Videos so sehr motiviert haben weiter dran zu bleiben und noch mal den Arzt zu wechseln und etwas Neues auszuprobieren. Und auch einfach mal einen neuen und positiveren Blick auf das Leben zu haben, als ich ihn sonst selbst habe. Auch von ihrem Umgang mit Rückschlägen war ich die ganze Zeit über begeistert. Ich kann euch allen nur diesen Kanal empfehlen. Vielleicht geht es dem einen oder anderem dabei so wie mir.

Auf der Suche nach dem Wesentlichen zwischen dem ganzen Kram

In den letzten Beiträgen habe ich euch auf den neuesten Stand gebracht, was im letzten Jahr bei mir alles passiert ist und wie meine Pläne für die Zukunft aussehen. Jetzt würde ich gerne von den Dingen erzählen, die mir zusätzlich zur Therapie geholfen haben.

Ich habe schon in früheren Beiträgen darüber berichtet, dass ich gerne nachhatiger und minimalistischer Leben möchte. In diesem Beitrag möchte ich erzählen, wie es bis jetzt damit weiter ging.

Ich habe schon vor einiger Zeit das Buch Magic Cleaning von Marie Kondo gelesen und habe direkt motiviert mit dem Ausmisten angefangen. Das Konzept finde ich immer noch super, aber mit dem immer perfekt aufgeräumten Haus ohne weiterhin aufzuräumen hat es leider nicht geklappt. Realistisch gesehen ist das aber denke ich mal auch bei einem Haushalt mit fünf Personen und zwei Hunden kaum möglich. Anfangs habe ich mich mit dem Gedanken, dass ich einfach nur alles überflüssige loswerden muss und es dann immer aufgeräumt ist ziemlich gestresst. Jetzt versuche ich das ganze lockerer anzugehen und das Ausmisten eher als kontinuierlichen Prozess anzusehen. Letzte Woche haben wir den Flur erneut gründlich ausgemistet und ich frage mich immer noch, wo dauernd die ganzen Sachen herkommen. Meinem Empfinden nach habe ich mein Konsumverhalten schon stark verändert und wir haben schon mindestens dreimal ausgemistet und trotzdem hatten wir wieder zwei Müllsäcke voll mit Dingen die wir nicht mehr brauchen Am schlimmsten ist das immer in den Kinderzimmern. Obwohl ich es mir dort erklären kann. Kleidung wird zu klein und Interessen und Bedürfnisse von Kindern ändern sich noch wesentlich häufiger, als bei Erwachsenen. Ich habe mir vorgenommen in Zukunft einmal im Jahr jeden Raum gründlich auszumisten. Das wichtigste ist es aber meiner Meinung nach, weiterhin an meinem Konsumverhalten zu arbeiten.

Womit ich zu einem weiteren großen Feld komme. Minimalismus. Dieses beinhaltet mehrere Aspekte, aber mit dem Konsum möchte ich anfangen. Von April 2018-April 2019 habe ich den Versuch gemacht nichts mehr zu kaufen, was sich nicht verbraucht und ich habe es geschafft. Ich habe gemerkt wieviel Zeit eigentlich dabei drauf geht. Außerdem habe ich immer irgendeine Lösung gefunden mit Dingen, die ich schon zu Hause hatte. Früher habe ich einfach etwas Neues gekauft. Da dieses in dieser Zeit aber nicht ging, habe ich nach einer anderen Lösung gesucht und immer eine gefunden. Das möchte ich auf jeden Fall beibehalten. Ich versuche nur noch Dinge zu ersetzen, die kaputt gegangen sind. Außerdem versuche ich mich von Trends freizumachen. Das spart wirklich viel Zeit, Energie und Geld und am Ende auch Müll.

Ein weiterer Punkt zum Thema Minimalismus sind für mich Aktivitäten. Ich versuche mich möglichst auf möglichst wenige zu beschränken und nichts mehr nur zu machen, weil ich denke, dass man das machen muss. Mit drei Kindern ist das aber wirklich eine Herausforderung. Besonders im Dezember, wenn überall noch irgendwelche Weihnachtsveranstaltungen stattfinden.

Ansonsten haben wir noch versucht möglichst wenig Müll zu produzieren. Wir haben beim örtlichen Biobauern und im unverpackt Laden eingekauft. Nachdem wir uns aber im letzten Jahr unsere Finanzen genauer angeschaut haben, mussten wir das ganze leider wieder etwas reduzieren, da es wirklich wesentlich teurer war, als vorher und wir es uns zur Zeit leider nicht leisten können. Ich versuche es aber trotzdem in unseren Möglichkeiten weiter zu machen. Auch beim ALDI gibt es unverpacktes Obst und Gemüse und ich versuche bei allem was ich kaufe das am wenigsten verpackte Produkt zu nehmen. Außerdem bleibe ich bei den Stofftaschentücher. Ich benutze waschbare Putzlappen statt Küchenkrepp und waschbare Abschminkpads.

Meiner Erfahrung muss man häufig Kompromisse machen und kommt auch nicht immer zum gewünschten Ziel. Aber trotzdem hat sich für mich und die Umwelt durch alle diese Dinge eine Menge zum positiven entwickelt. Ich probiere weiter!

Jetzt geht alles so schnell

Heute war der Termin auf der Psychotherapiestation zum Kennenlernen. Als ich den Termin gemacht habe, war ich total ungeduldig und die Wartezeit war mir viel zu lang. Als das Datum jetzt aber immer näher rückte war ich schon total aufgeregt und hätte es am liebsten noch mal verschoben. Es wäre mir aber zu peinlich gewesen, dass dann dem Psychologen und der Rehaeinrichtung zu erzählen und weitergebracht hätte es mich ja auch nicht. Also bin ich heute total aufgeregt hingefahren. Und ich muss sagen, das schlimmste war es die Station zu finden. Ich bin so losgefahren, dass ich, dachte ich zumindest, noch genug Zeit zum Suchen habe. Als erstes habe ich aber keinen Parkplatz auf dem Gelände gefunden. Da es dann aber schon 10.55 war und ich um 11.00 den Termin hatte, habe ich mich auf den Parkplatz des benachbarten Pflegeheimes gestellt. In der Hoffnung, dass es keiner merkt. Dann besteht die Psychiatrie dort aus mehreren kleinen Häuschen. Ich musste zu Station 4. Diese habe ich aber auf keinem Ausschilderungsschild entdeckt. Ich bin mindestens dreimal im Kreis gelaufen. Dann war es schon 11.01 Uhr. Ich habe mich dazu entschlossen auf der Station anzurufen, um Bescheid zu geben, dass ich auf dem Weg bin. Zum Glück, denn die Frau am Telefon hat mir den Weg beschrieben und alleine hätte ich das Gebäude nicht gefunden. Ich musste vom Gelände runter und ein Stück die Straße entlang. Wenn man es weiß, ist es einfach. Aber sonst hätte ich wahrscheinlich noch länger gesucht.

Das Gebäude und die Einrichtung sind schon ziemlich in die Jahre gekommen. Aber darauf kommt es ja nicht an. Die Psychologin mit der ich gesprochen habe war sehr nett und ich habe mich im Gespräch relativ wohl gefühlt. So weit das unter den Umständen eben geht. Sie hat mich erstmal nur interessiert gefragt und noch nicht in sensiblen Themen gebohrt. So dass es mir auch nach dem Gespräch noch gut ging. Am Ende sagte mir, dass ich bei ihnen richtig bin, um an meinen Problemen zu arbeiten. Die Therapie dort würde 6-8 Wochen dauern und ich könnte schon in ungefähr 3 Wochen starten. Ich hätte nicht damit gerechnet, dass das so schnell geht. Ich bin von einer wesentlich längeren Wartezeit ausgegangen. Und jetzt, da es wirklich losgehen soll mache ich mir schon ziemlich große Sorgen. Besonders, ob zu Hause alles so klappt und ob es nicht eine riesige Belastung für meinen Mann wird. Und inhaltlich wird es ja auch kein netter Ausflug werden. Sondern es wird an die Dinge gehen, die wirklich weh tun. Aber sonst hätte das ganze ja auch keinen Sinn. Und wenn ich alle Ängste beiseite lasse, bin ich mir auch sicher, dass es für mich der richtige Weg es. Es fühlt sich stimmig an, das ganze jetzt anzugehen und danach mit der Reha zu starten.

Zum Aufgeben ist es viel zu früh

Bei meinem Entlassungsgespräch in der Tagesklinik wurde mir empfohlen mir zusätzlich zum Psychologen auch einen Psychiater zu suchen. Besonders, weil ich als nicht arbeitsfähig entlassen wurde. Der Arzt meinte, dass ein Facharzt dies besser einschätzen kann, als ein Hausarzt.

Bis kurz vor dem Aufenthalt in der Tagesklinik war ich in der Institutsambulanz des Krankenhauses meiner früheren Heimatstadt in Behandlung. Im Nachhinein kommt mir das alles dort aber ein bisschen seltsam vor. Vor über zehn Jahren hatte ich dort angerufen, weil ich von meinem Hausarzt Antidepressiva verordnet bekommen habe und darüber gerne mit einem Facharzt sprechen wollte. Ich bekam recht schnell einen Termin und es hat mir dort gut gefallen. Allerdings wurde mir nie zu einer richtigen Therapie geraten. Was ich im Nachhinein wirklich komisch finde, da es in der Tagesklinik jedem geraten wurde. Ich wusste damals gar nicht, welche Möglichkeiten es eigentlich alles gibt. Die ersten zwei Jahre, hat mir die Behandlung dort schon geholfen, aber später ist eigentlich gar nichts mehr passiert. Es war also höchste Zeit für einen Wechsel.

Als erstes machte ich einen Termin bei einem Psychiater bei mir in der Nähe. Zu diesem Zeitpunkt hatte ich noch ganz viele Fragen. Besonders, wie es beruflich weitergehen kann, da ich zu diesem Zeitpunkt noch krank geschrieben war und auch vom Arbeitsamt noch nicht viele Informationen bekommen hatte. Der Psychiater las sich vor dem Gespräch meine Arztbriefe durch und meinte dann zu mir, dass ich mir mal darüber Gedanken machen sollte, ob ich das mit dem Arbeiten überhaupt schaffe. Er meinte, dass sich alle Mühe geben und ich immer wieder gegen die Wand laufe und ich doch Hausfrau und Mutter werden soll. Er meinte noch zu mir, dass wir nicht alle Frau von der Leyen sind. Zusätzlich sollte ich noch die Dosis der Antidepressiva verdoppeln, was ich überhaupt gar nicht verstanden habe. Ich hatte ihm im Gespräch erzählt, dass ich schon mal eine höhere Dosis genommen habe und keinen Unterschied bemerkt habe. Zu diesem Zeitpunkt des Gesprächs war ich dann aber schon so verunsichert, dass ich mich nicht mehr getraut habe nachzufragen.

Mit diesem Gespräch hatte ich gedanklich noch lange zu tun und musste es erstmal verarbeiten. Ich fühlte mich wegen dem Satz, dass sich alle bemühen und ich immer wieder gegen die Wand laufe total schlecht. Ich kann aber wirklich besten Gewissens sagen, dass ich mein Bestes gebe und mich bemühe. Ich habe dann mit meinem Mann über die Hausfrauen-Idee gesprochen und wir haben hin und her gerechnet. Sind aber zu dem Ergebnis gekommen, dass wir mein Gehalt brauchen. Und irgendwie möchte ich das auch gar nicht. Nur, wenn es wirklich keine andere Möglichkeit gibt. Ich finde das ganze ist wirklich ein schwieriges Thema. Ich glaube auch, dass es einfach Zeit braucht sich um Kinder zu kümmern. Und auch die zusätzliche Arbeit im Haushalt muss erledigt werden. Es kommt mir oft so vor, dass es ja ganz einfach ist und man einfach arbeiten kann, wenn die Kinder in der Schule oder der Kita sind. Bei mir hat das aber irgendwie nie so einfach geklappt. Ich hatte noch nie Arbeitszeiten, die genau mit den Öffnungszeiten der Kita gepasst haben. Außerdem waren am Anfang kaum mal alle Kinder gleichzeitig eine Woche ohne Krankheitsausfall in der Kita. Zwischendurch war auch noch der große Streik der Erzieher. Und danach ist ja auch zu Hause noch eine Menge zu erledigen. Ich war damit wirklich oft überfordert. Aber andererseits frage ich mich auch, ob der Psychiater einem Mann in meiner Situation den gleichen Vorschlag gemacht hätte. Ich glaube nämlich nicht. Außerdem kann ich mir nicht vorstellen, wirtschaftlich total abhängig zu sein. Und zu alledem sind meine Kinder auch irgendwann mal groß. Nach allem Überlegen bin ich dann zu dem Schluss gekommen, dass es für mich noch nicht an der Zeit ist, die beruflichen Pläne vollkommen über Bord zu werfen. Ich habe ja erst einen einzigen Beruf ausprobiert. Vielleicht klappt ja ein anderer besser. Und es gibt ja auch Unterstützung. Bevor ich aufgebe, möchte ich zumindest alles versucht haben und das habe ich noch lange nicht. So richtig habe ich ja noch gar nicht angefangen. Auch die doppelte Dosis Medikamente habe ich nicht genommen. Ich wollte mir dazu noch mal eine andere Meinung holen. Den nächsten Termin bei diesem Psychiater habe ich abgesagt. Ich brauchte Hilfe bei beruflichen Fragen und Beratung bezüglich der Medikamente. Und bei beiden Themen hatte ich nicht den Eindruck, dass mir durch diesen Termin geholfen wurde.

Ich machte noch einem einen Termin bei einem anderen Psychiater. In der Zwischenzeit hatte sich schon durch das Arbeitsamt eine Menge geklärt. Aber bei dem neuen Psychiater fühlte ich mich wesentlich wohler und ernstgenommener. Er erzählte mir nicht seine Meinung zu mir nach Aktenlage, sondern fragte mich, wie er mir behilflich sein kann. Er fand es auch richtig, die Medikamente weiterhin in der niedrigeren Dosierung zu nehmen. Falls es mir mal schlechter geht, kann ich das ja immer noch wieder ändern. Es fällt mir zwar immer schwer einem neuen Arzt meine Geschichte zu erzählen, aber ich glaube, dass es trotzdem viel bringt zu wechseln, wenn man ein ungutes Gefühl hat.