Kein Weg zurück

Guten Morgen,

ich war letzte Woche wirklich froh, dass zur Einschulung nichts von meiner Herkunftsfamilie gekommen ist. Ich dachte, dass es sich jetzt erledigt hat. An genau dem Tag ist dann aber doch noch eine Karte mit Geld darin gekommen. Wir haben hin und her überlegt was wir damit machen. Am Ende haben wir sie zurück geschickt. Ansonsten bleibt ja unklar was wir damit gemacht haben. Ob wir es in die Ecke gestellt haben, oder den Kindern etwas gekauft haben. Und irgendwie wäre es ja auch ein schweigendes Einverständnis gewesen, den Kindern Geschenke zu machen. Und ich hätte Angst, dass das irgendwie als Annäherung verstanden wird. Und dann wäre ja auch bald schon wieder der nächste Geburtstag. Und auch Weihnachten ist nicht mehr ewig hin. Dann hört das Ganze ja nie auf. Auf jeden Fall haben wir die Karten dann zurück geschickt. Seitdem habe ich zum Glück nichts mehr gehört. Am Dienstag habe ich in der Therapie noch mal darüber gesprochen, dass mir selbst eine Karte von meiner Herkunftsfamilie Angst macht. Wir haben dann noch mal genauer überlegt wovor genau ich Angst habe und dabei ist mir klar geworden, dass ich am meisten Angst habe diese Gesprächssituation wie im letzten September erneut zu erleben. Der Psychologe hat mir dann versucht deutlich zu machen, dass das auf gar keinen Fall passieren wird. Es ist ja physikalisch nicht möglich, dass ich zurück gebiemt werde. Und plötzlich wieder bei meinen Eltern im Wohnzimmer in der gleichen Runde wie vor einem Jahr sitze. Und außerdem soll ich mir deutlich machen, dass in diesem einen Jahr viel passiert ist. Es wird nicht passieren, dass die Beziehungen plötzlich wieder so sind wie vor dem Gespräch, weil viel zu viel passiert ist. Mein Mann und meine Eltern werden nicht plötzlich wieder nett zusammen sitzen und Kaffee trinken. Dieser Gedanke gibt mir total viel Sicherheit. Dass der Weg zurück geschlossen ist. Egal, ob eine Postkarte kommt oder nicht. Und nichts und niemand kann mich zwingen zurück zu gehen.

Vielleicht wird es leichter

Guten Morgen ihr Lieben,

es ist eigentlich gar nichts besonderes passiert, aber trotzdem gibt es eine ganze Menge zu schreiben. Ich fange glaube ich einfach mal am besten bei der Arbeit an. Eine Bekannte hatte mich schon öfter gefragt, ob ich mir nicht mal den Pflegedienst angucken möchte, in dem sie arbeitet. Bis jetzt habe ich das immer abgelehnt. Zum einen wollte ich nicht schon wieder den Arbeitgeber wechseln und zum Anderen konnte ich mir auch nicht vorstellen, dass es dort so viel anders ist. Am letzten Wochenende habe ich dann aber mal wieder erst am Freitag um 17.30 erfahren, wie ich am Samstag arbeiten muss. Und da dachte ich, dass ich mir ja wenigstens mal anhören kann, wie die das alles so machen und organisieren. Ich hatte dann auch direkt am Dienstag ein Gespräch mit der Chefin. Sie war mir sehr sympathisch und das Angebot ist auch super. Ich bin nur wirklich skeptisch, ob das am Ende so stimmt. Ich glaube sie brauchen wirklich Leute. Dann habe ich schon oft erlebt, dass eine Menge versprochen wird, was gar nicht zu halten ist. Ich habe erstmal einen Termin zum hospitieren gemacht. Ich hoffe, dass ich dann ein bisschen was mitbekomme, wie die Organisation ist.

Die Sozialarbeiterin in der Ambulanz ist immer noch nicht wieder da. Und im Bereich Arbeit habe ich im Moment glaube ich auch nicht wirklich viel zu verlieren.

Am meisten Angst macht mir gerade die Einschulung am Wochenende. Eigentlich kann ich mir nicht vorstellen, dass meine Herkunftsfamilie einfach vorbeikommt. Aber so ganz sicher bin ich mir nicht. Mitbekommen haben werden sie ja bestimmt, dass am Wochenende Einschulung ist. Das ist ja in ganz Niedersachsen so. Ich wäre so gerne souverän und würde mich einfach vor ihnen hinstellen und sagen, dass ich sie nie wieder sehen möchte und sie jetzt sofort gehen sollen. Aber wenn ich mir die Situation vorstelle, dass sie einfach da stehen, bekomme ich einfach nur Panik. Noch mal könnte ich diese Situation, wie in dem Gespräch letztes Jahr nicht aushalten. Aber was mir Hoffnung macht ist, dass die Einschulung die letzte große Veranstaltung ist, bevor das erste Jahr Kontaktabbruch vorbei ist. Alle anderen Feiertage haben wir schon mal ohne sie gefeiert. Und sonst steht auch eigentlich nichts großes an. Und ich hoffe wirklich, dass stimmt was mein Psychiater gesagt hat und das erste Jahr das schwerste ist und es danach spürbar leichter wird.