Hauptsache weiter funktionieren

Hallo ihr Lieben,

ich baue ja jetzt schon den ganzen Monat Überstunden ab. Aber irgendwie habe ich noch überhaupt nicht das Gefühl mich erholt zu haben. Auch zu Hause fühle ich mich im Moment wie bei der Arbeit. Ich kann mich nur ganz schwer entspannen. Ich denke eigentlich permanent darüber nach, was jetzt als nächstes zu tun ist und was ich heute noch schaffen muss.

In der Therapie haben wir darüber gesprochen, warum es mir so schwer fällt auf die Postkarte mit der Geburtstagseinladung zu antworten und warum mir das so große Angst macht. Mir ist dabei klar geworden, dass ich Angst vor den Gefühlen habe, die ich nach dem Gespräch hatte und ich denke, dass ich diese nicht noch mal aushalten würde. Da ist mir klar geworden, dass einfach ganz viele Gefühle bei mir im Hintergrund lauern, die nicht bearbeitet sind und ich nicht weiß ob ich mit ihnen umgehen kann. Ganz viel Trauer, Wut und Angst darüber wie es mit meiner Herkunftsfamilie gelaufen ist. Und ich kann diese Gefühle einfach nicht wirklich zulassen, weil ich denke, dass sie mich dann zerreißen. Und ich weiß nicht, wie ich dann weiter in meinem Alltag funktionieren soll. Und das ist der Punkt, der mir am meisten Angst macht. Ich habe das Gefühl, dass es mir jetzt gut gehen muss, da ich ja keinen Kontakt mehr zu meiner Herkunftsfamilie habe. Und wenn es mir trotzdem nicht gut geht, dann denke ich, dass meine Herkunftsfamilie ja vielleicht doch Recht hat und ich ein schlechter, schwieriger Mensch bin, der schon immer komisch war. Und dann bekomme ich totale Panik, dass ich doch Schuld bin. Und es fühlt sich nicht so an, als wäre ich Schuld an einem Streit, sondern an einem Massaker. Letztens habe ich geträumt, dass nur eine falsche psychologische Theorie angewendet wurde und doch alles an mir liegt. Und von daher muss ich weiter funktionieren, da ich alles andere (noch) nicht aushalten könnte.

Und am Ende ist es wieder nur Arbeit

Diesen Monat hat es wirklich mal geklappt, dass ich Überstunden abbauen kann. Das ist wirklich schön, ich kann mir aber überhaupt nicht vorstellen zurück zu gehen und wieder so weiter zu arbeiten wie vorher. Heute hätte ich eigentlich ein Gespräch mit meinem Chef gehabt, wie wir meine Arbeitszeiten verändern können. Das musste dann aber verschoben werden, weil die Dienstbesprechung wesentlich länger gedauert hat, als geplant. Aber darüber bin ich auch eigentlich ganz froh. Heute hätte ich gar nicht gewusst was ich sagen soll, weil ja alles irgendwie damit zu tun hat, dass ich da wieder arbeite. Vorher bei der Dienstbesprechung ging es darum, wie Aufgaben besser verteilt werden können. Und da habe ich gemerkt, wie nah mir dieses Thema gerade geht. Ich kann mir gerade überhaupt nicht vorstellen mich wieder irgendwie für das Thema Arbeit zu engagieren. In der Vergangenheit hatte ich immer wieder das Gefühl, dass es einfach überhaupt nichts bringt. Und ich halte das einfach nicht mehr aus. Immer nur möglichst schnell. Egal was ist. Im Hintergrund habe ich immer noch das Gefühl, dass ich das nicht darf. Das ich das weiter machen muss, weil es ja schließlich jemand machen muss. Ich weiß aber nicht mehr, wie ich das machen soll. Ich weiß nicht mehr, wie ich mich motivieren soll. In mir schreit alles, dass ich das nicht mehr will. Aber irgendwer muss es ja schließlich machen und da glaube ich irgendwie nicht, dass ich das Recht habe zu gehen. Zusammenreißen und weitermachen. Aber wenn jetzt noch irgendwer kommt und mir sagt, dass ich noch irgendeine Zusatzaufgabe machen soll, dann ist bei mir jetzt wirklich Ende. Und die andere Frage ist auch, was die Alternative ist. Um in Rente zu gehen bin ich noch ein bisschen zu jung. Ich kann mir aber auch eigentlich nicht vorstellen, mich in irgendwas neues einzuarbeiten. Außerdem habe ich gar keine Zeit und das Geld brauchen wir auch. Habe schon hin und her überlegt was ich noch sparen könnte, aber ich glaube so ganz ohne Arbeit geht das nicht. Ich hoffe, dass ich doch noch einen Termin beim Sozialdienst bekomme. Ich habe noch nichts weiter gehört, ob die Mitarbeiterin noch weiter krank ist. Aber ich brauche irgendwie mal einen professionellen Rat zu dem Thema. Ich habe einfach keine Idee mehr. Mir einfach einen anderen Job in der Pflege zu suchen ist glaube ich keine Lösung. Das habe ich schon so oft gemacht und wirklich weiter gebracht hat es mich nicht.

Viele kleine Erfolge

Hallo ihr Lieben,

ich wollte schon ganz lange mal schreiben, wie es mit mir und meinem Zero Waste und Minimalismus Projekt so läuft.

Der größte Erfolg ist glaube ich wirklich, dass wir unsere große Restmülltonne gegen eine kleine austauschen konnten. Wir sind von Papiertaschentüchern auf Stofftaschentücher umgestiegen. Erst fand ich die Vorstellung total ekelhaft, aber eigentlich ist es das gar nicht. Nach der 60 Grad Wäsche sind ja alle Keime tot. Das ist dann ja eigentlich kein Unterschied zu Papiertüchern. Und Küchenpapier und Einmalputztücher konnten wir austauschen.

Früher habe ich Unmengen von diesen Tüchern benutzt. Ich fand es total praktisch und ich dachte ich spare ganz viel Zeit. Aber länger brauche ich jetzt eigentlich auch nicht. Außerdem haben wir am letzten Wochenende endlich einen Komposthaufen gebaut.

Wodurch wir jetzt noch mal weniger Restmüll haben. Eine kleinere Tonne können wir jetzt allerdings nicht mehr nehmen, da wir für 5 Personen mindestens 100 Liter nehmen müssen. Aber das ist ja auch eigentlich nicht Sinn und Zweck der Sache. Ich habe auch mal angefangen zum Saubermachen ein bisschen mit Hausmitteln zu experimentieren. Natron kann man zum Beispiel super benutzen, um Polster zu reinigen. Und mit Zitronensäure und ein bisschen Spüli kann man Badreiniger super selber machen.

Plastikmüll möchte ich noch unbedingt weiter reduzieren. Leider habe ich nie gezählt, wie viele gelbe Säcke wir verbraucht haben, bevor wir angefangen haben darauf zu achten. Weniger als vier in zwei Wochen haben wir bis jetzt aber noch nicht geschafft. Ungefähr einmal  in der Woche kaufen wir jetzt immer im Lose-Laden ein und Obst und Gemüse kaufe ich oft beim Biobauern bei uns im Ort. Am meisten Müll machen glaube ich die Hafermilch-Tetrapaks. Aber dazu ist mir noch keine Alternative eingefallen. Ich bleibe auf jeden Fall weiter dran. Seitdem ich mehr darauf achte fallen mir auch immer wieder Dinge auf, die wir noch verbessern können.

Auch Minimalismus ist glaube ich ein langer Weg. Wir konnten unsere Ausgaben für den Haushalt aber wirklich um 200€ senken. Ein bisschen weiter sparen müssen wir aber noch, da erhöhen der Arbeitszeit uns ja nicht zu dem Ziel führt mehr Zeit zu haben. Und auch das Haus ist immer noch nicht übersichtlich und aufgeräumt. Wirklich erschreckend wie viel Krempel wir angehäuft haben. Ich muss mich aber auch oft wieder daran erinnern warum ich nicht shoppen gehen möchte. Besonders wenn ich im dm bin und die vielen schönen, bunten Verpackungen sehe. In der Stadt war ich schon ewig nicht mehr, von daher fällt es mir bei Kleidung nicht ganz so schwer.

Das alles ist glaube ich nichts, dass so schnell geht. Aber die bisherigen Erfolge motivieren mich auf jeden Fall zum weitermachen!

Postkarte aus der Vergangenheit

Guten Morgen ihr Lieben,

diese Woche habe ich mal wieder gemerkt, dass ich die Situation mit meiner Herkunftsfamilie noch nicht verarbeitet habe. Wir haben eine Geburtstagseinladung von meinem Onkel und meinem Cousin bekommen. Sie feiern ihren 60. und 30. Geburtstag groß zusammen. Es war auch einfach nur eine Karte mit den Infos zur Party. Aber mich hat das echt total aus dem Tritt gebracht. Als ich die Karte gesehen habe, habe ich erstmal totale Panik bekommen. Nach ein paar Stunden ging es dann wieder, aber in den letzten Tagen habe ich es wirklich körperlich gemerkt, dass es mir schlechter geht. Das Gespräch ist jetzt schon über ein halbes Jahr her, aber so richtig verarbeitet habe ich es noch nicht. Ich hatte auch seitdem keinen Kontakt zu jemandem, der mit meiner Herkunftsfamilie Kontakt hat. Und jetzt habe ich total große Angst, dass mir Vorwürfe gemacht werden und mir gesagt wird, dass es meiner Herkunftsfamilie so schlecht geht mit der Situation. Und dann wären die Schuldgefühle wieder voll da. Sie waren nie ganz weg, aber es war auszuhalten. Ich möchte mich auf jeden Fall melden. Meine Tante, meinen Onkel und meine Cousins mag ich wirklich gern und zu ihnen hätte ich auch gerne wieder Kontakt. Aber die Angst vor Schuldzuweisungen bzw. vor meinen Schuldgefühlen ist riesig. Ich habe das Gefühl, dass sie nur im Hintergrund lauern und nur auf eine Gelegenheit warten über mich herzufallen. Zu der Party gehe ich auf keinen Fall, da dort garantiert auch meine Herkunftsfamilie eingeladen ist. Aber ich möchte auf jeden Fall anrufen und absagen. Mein Psychologe meinte, dass dieses Gespräch eigentlich eine gute Chance ist. Zum einen, da es ja auch positiv verlaufen könnte und zum anderen ist es ein gutes Training um zu lernen mit Kritik an meiner Entscheidung umzugehen. Ich sehe es auch so, als müsste ich das lernen. Aber ich kann mir noch nicht vorstellen, dass ich das kann. Vom Schwierigkeitsgrad kommt es mir vor als hätte er gesagt, laufen sie doch nicht immer die Treppen bis in den vierten Stock in meine Praxis, nehmen sie doch lieber mein Fenster und fliegen sie. Aber mir ist schon klar, dass es ziemlich unrealistisch ist die Vergangenheit hinter mir einfach abzuschneiden und dann muss ich nie wieder etwas davon hören. Das wird wahrscheinlich nicht klappen.

Konsum, Selbstversorgung und der Weg dazwischen

In dem letzten Beitrag (verhexte Tage) habe ich ja schon von der Situation bei der Arbeit geschrieben. Im Moment klappt es Überstunden nicht mit dem Abbau der Überstunden, weil immer irgendjemand krank ist. Ich habe mich schon oft gefragt ob das nur in der Pflege so ist, oder auch in anderen Berufen. Aber so langsam glaube ich, dass es kaum realistisch ist, bis zur Rente in diesem Beruf zu arbeiten. Früher oder später wird es körperlich nicht mehr gehen. Und das in naher Zukunft sich politisch wirklich etwas ändert glaube ich eigentlich auch nicht. Aber so eine richtig gute Idee für eine Alternative habe ich gerade auch nicht.

Auch zum Nachdenken gebracht hat mich eine Sendung. Ich gucke meist gar nicht zu, sondern höre Reportagen oder Talkrunden aus der Mediatek bei der Hausarbeit. In dieser Sendung ging es um Konsum https://www.zdf.de/wissen/scobel/scobel-ich-kaufe-also-bin-ich-100.html 

Ein Experte in dieser Sendung sagte, dass die Ressourcen der Erde in 80 Jahren verbraucht sind, wenn wir so weiter machen wie bisher. Seiner Meinung nach müsste die Gesellschaft sich so verändern, dass wir wirklich nur noch das allernötigste Konsumieren und sich die Arbeitszeit einer Vollzeitstelle auf 20 Stunden in der Woche verringern würde. Zum einen, weil nicht mehr so viel produziert werden müsste und zum anderen weil wir weniger Geld verdienen müssten. In der restlichen Zeit könnten wir Zum Beispiel Dinge reparieren, die kaputt gegangen sind und uns selbst mit Nahrungsmitteln versorgen. Ich finde diese Idee super. Das sich die Gesellschaft dahin entwickelt kann ich mir allerdings noch nicht vorstellen. Zumindest im Moment noch nicht. Und dann habe ich mal nachgedacht, was ich in meinem Leben so machen könnte. Ich versuche ja schon länger meinen Konsum einzuschränken und nachhaltiger zu leben. Aber so direkt überlegt was ich selbst machen kann habe ich noch nicht. Ich habe immer im Kopf dafür keine Zeit zu haben. Aber zumindest darüber nachdenken kann ich ja mal.

Als erstes ist mir die Kinderbetreuung eingefallen. Vor ungefähr einem Jahr haben wir mal nachgerechnet. Wenn ich meine Arbeitszeit um 20 Stunden reduziere und wir dann keinen Hortplatz mehr brauchen haben wir trotz Verdienstverlust 100€ mehr im Monat. Also haben wir die Zwillinge gar nicht erst angemeldet. Ist zur Zeit nur das Blöde, dass weniger arbeiten ja irgendwie nicht klappt. Einen Vertrag zu bekommen auf dem weniger Stunden stehen ist überhaupt kein Problem, aber diese dann praktisch auch weniger zu arbeiten scheint mir im Moment fast unmöglich.

Eine weitere Möglichkeit die mir eingefallen ist, ist das Kochen. Essen gehen wir seitdem wir Kinder haben eigentlich gar nicht mehr. Aber früher haben wir öfter Pizza bestellt. Für eine Familie kostet das dann ja meist 30-40€ und wenn man das ein- bis zweimal im Monat macht, dann kommt da schon ein bisschen was zusammen. Darauf haben wir in letzter Zeit komplett verzichtet und außerdem spart man auch noch eine ganze Menge Müll.

Was mir noch einfällt ist meine Frisur. Seit ein paar Monaten färbe ich mir die Haare immer selbst mit Henna Farbe. Hauptsächlich weil es vegan und besser für die Umwelt ist. Und ich habe mir die Haare einfach lang wachsen lassen. Mit dieser Frisur muss ich eigentlich kaum noch zum Friseur. Umd mit jedem nicht gemachten Friseur Besuch spare ich 80€. Und außerdem benötige ich jetzt viel weniger Stylingprodukte.

Ich werde auf jeden Fall weiterhin darüber nachdenken was ich noch so alles verändern kann. Mich mit Nahrungsmitteln selbst zu versorgen würde ich mir allerdings nicht zutrauen. Aber man kann ja auch erstmal im Kleinen anfangen etwas zu verändern. Dann ist es auch motivierender und macht Spaß.