Erdrückende Verpflichtungen

Hallo ihr Lieben,

die letzten zwei Tage waren nicht so toll. Ich glaube der Stress hat sich schon über längere Zeit aufgebaut. Im November habe ich ja die neue Stelle angefangen und wollte eigentlich 70 Stunden im Monat arbeiten. Im November und Dezember habe ich dann wegen Personalmangel jeweils 100 gearbeitet. Die Abrechnung für den Januar habe ich noch nicht bekommen, aber so viel weniger wird es nicht sein. Und der Februar geht genau so weiter. Ich habe schon die ganze Zeit gemerkt, dass das zu viel ist.  Aber jetzt merke ich, dass es viel länger einfach nicht mehr geht. Ich hatte das schon mal angesprochen und ab März soll dann auch alles besser werden, weil zwei neue Kolleginnen anfangen. So richtig glaube ich das aber noch nicht. Das habe ich in den letzten Jahren schon von zu vielen Arbeitgebern gehört. Und meist hat es erst mit der Kündigung aufgehört. Aber eigentlich arbeite ich dort wirklich gerne. Es ist einfach nur zu viel. Gestern war ich dann noch mit meinen Zwillingen beim Probetraining vom Schwimmverein. Naja, eigentlich heißt die ganze Veranstaltung „Vorschwimmen“. Ich dachte, dass das wahrscheinlich einfach nur eine unglückliche Namenswahl ist und eher so was wie ein Schnupperkurs ist, damit die Kinder mal gucken können, ob das was für sie ist. Aber ich glaube die Dame vom Vorstand hat den Namen schon bewusst gewählt. Die Kinder sollen vorschwimmen, damit sie in die passenden Gruppen sortiert werden können. Nach den ersten zwei Sätzen der Ansprache der Dame hätte ich am liebsten fluchtartig die Schwimmhalle verlassen. Als erstes hat sie gesagt, dass die Eltern auf jeden Fall mitarbeiten müssen. Und mitarbeiten heißt nicht nur mal einen Kuchen backen, wie sie sicherheitshalber gleich hinzugefügt hat. Dann hat sie noch gesagt, dass es einigen Kindern am Anfang vielleicht nicht gefällt, dass das aber egal ist. Ihrer Meinung nach ist Schwimmen kein Hobby, sondern eine Fähigkeit, die jeder erlernen muss. Und das richtig. Und richtig ist ihrer Ansicht nach nur, wenn man mindestens drei Jahre in diesem Verein trainiert. Ich gebe ihr ja schon recht, dass Kinder schwimmen lernen sollen. Aber etwas netter und lockerer könnte es meiner Meinung nach schon sein. Außerdem weiß ich wirklich nicht, wann ich mich noch irgendwo einbringen soll. Es gibt ja auch noch Kita, Schule, Tanzschule und Reitverein.  Die Hausaufgaben, Verabredungen, Arzttermine und so weiter. Daneben noch den Haushalt und die Arbeit. Ich hatte das schon bestimmt ein halbes Jahr nicht mehr. Aber auf dem Weg nach Hause hatte ich das Gefühl als würde sich mein Hals total schmerzhaft zusammen ziehen. Ich habe das Gefühl, dass ich von allen Verpflichtungen erdrückt werde und immer noch Neues dazu kommt und ich einfach nichts dagegen machen kann. Ich habe auch immer ein total schlechtes Gewissen, wenn ich meinen Kindern etwas nicht ermögliche, nur weil es mir zu anstrengend ist. Heute Nacht hatte ich mehre Alpträume und der Vormittag bei der Arbeit war auch nicht besser. Ich hatte das Gefühl, dass alles was irgendwie außerhalb der Routine ist mich komplett überfordert. Irgendwann hat mein Augenlid angefangen zu zucken und die schmerzhafte Enge im Hals war auch wieder da. Ich weiß nicht, was ich machen soll. Ich habe das Gefühl, dass ich einfach nur mal Zeit brauche. Aber ich schaffe es auch nicht sie mir zu nehmen. Ich habe das Gefühl einfach unendlich viel zu tun zu haben und es einfach nicht zu schaffen.

Die Hoffnung auf das Ende der Zweifel

Hallo ihr Lieben,

ich habe ja in letzter Zeit ganz viel über Minimalismus gelesen und bin dabei auch über Digital Detox gestoßen. Es geht dabei darum sich über seinen Medienkonsum Gedanken zu machen und radikal auszusortieren. Als erstes habe ich gedacht, dass ich da schon recht wenig nutze und deshalb auch nichts aussortieren muss. Ich dachte, wenn man alle Zeit nur noch sinnvoll verwendet, dann ist es ja auch eigentlich wieder nur eine Form der Selbstoptimierung. Ich habe aber weiterhin darüber nachgedacht. Und dann habe ich überlegt, dass ich bei Facebook 220 Freunde habe, mit den meisten aber im „echten Leben“ gar nichts zu tun habe. Und ich dachte, dass es ja eigentlich Quatsch ist, dass ich mich dauernd ärgere zu wenig Zeit für meine Freunde zu haben, aber dauernd lese, was meine Facebook-Freunde so treiben. Nicht dass sie als Menschen nicht wichtig sind, aber was man bei Facebook schreibt ist ja doch eher oberflächlich und ich wünsche mir lieber echte, tiefe Gespräche mit Menschen, die mir etwas bedeuten. Nach längerem Überlegen habe ich dann die Facebook-App gelöscht. Meinen Account habe ich noch. So ganz trennen konnte ich mich doch noch nicht. Aber eigentlich habe ich doch meist nur so nebenbei am  Handy gelesen. Pinterest habe ich aber behalten, da ich oft Rezepte oder irgendwas Kreatives nachgucke. So ganz funktioniert hat mein Plan dann doch nicht weniger auf mein Handy zu gucken. Als ich vor ein paar Tagen nicht keine Lust zum Aufstehen hatte, habe ich statt Facebook, Pinterest gelesen. Dabei bin ich zufällig über diesen Artikel gestolpert:

https://www.wunderweib.de/narzisstische-muetter-so-sehr-leiden-die-toechter-100624.html

Es geht um nazistische Mütter und die Auswirkungen auf ihre Töchter. Und ich hatte das Gefühl, dass der Artikel eigentlich über mich geschrieben wurde. Ich habe ihn meinem Mann gezeigt, weil ich dachte, dass ich mir das einbilde. So wie ich das in Bezug auf dieses Thema immer denke. Er war aber auch meiner Meinung. Ich habe dann am nächsten Tag ein bisschen gegoogelt, um mehr zu diesem Thema zu finden und bin dabei auf folgende Seite gestoßen http://www.narzissmus.org/der-sundenbock-und-das-goldene-kind/

Dieser Artikel hatte eigentlich noch eine größere Wirkung auf mich, da er exakt meine Herkunftsfamilie beschreibt. Bis hin zu identischen Aussagen. Mein Psychiater sagt mir das jetzt schon viele Jahre. Aber ich konnte es bis jetzt nicht glauben. Ich fand es immer logisch was er gesagt hat, aber ich konnte nicht glauben, dass es stimmt. Weil er ja meine Herkunftsfamilie gar nicht kennt. Sondern nur von meinen Erzälungen. Und nach meiner Überzeugung kann man mir, meinen Gefühlen und Empfindungen nicht trauen. Aber es von jemand anderem zu lesen, dem ähnliches passiert ist, hat eine Menge in mir ausgelöst. Die Möglichkeit, dass es doch so ist wie es der Psychiater sagt. Ich kann die Gefühle die in mir sind gar nicht beschreiben. Einmal ist es Hoffnung. Hoffnung darauf, dass ich keine große Schuld auf mich geladen habe. Hoffnung darauf, dass ich frei bin und mein Leben leben darf, so wie ich es möchte. Mit authentischen Beziehungen und tiefer Liebe. Im Hintergrund ist da aber immer noch der Zweifel. Eine Stimme die mir sagt, du kannst das gar nicht beurteilen. Du warst schon immer komisch und wir haben schon genug unter dir gelitten. Und dann irgendwas ganz großes. Ich glaube eine ganz, ganz große Traurigkeit und Verzweiflung. Mir sind so viele Verletzungen eingefallen. Und ich bin bis jetzt immer davon ausgegangen, dass ich im Unrecht bin darüber Schmerz zu empfinden. Aber was wäre wenn er berechtigt ist und ich ihn zulassen dürfte. Wenn ich endlich einmal fühlen und loslassen dürfte? Irgendwie ist das alles gerade noch viel zu groß. Ich habe das Gefühl, dass es wenn ich es rauslasse, mich zerreißen würde. Mein Psychologe meinte, dass dies normal ist, da es mein gesamtes Welt- und Selbstbild auf den Kopf stellt. Und dass es ein langer Prozess sein wird. Aber irgendwann muss es raus und ich muss es betrauern, damit es irgendwann aufhört. Aber ich habe das Gefühl, dass ich mir dafür sicher sein muss. Und irgendwie kann ich das nicht. Ich bin viel zu abgelenkt, weil ich dauernd darüber nachdenken muss, ob es wirklich stimmt. Oder ich mir das nicht nur alles einbilde und meiner Herkunftsfamilie ein riesiges Unrecht tue.