Das langweiligste Grau der Welt

Zur Zeit ist bei mir einiges in Bewegung. Letzte Woche war ich bei einem Vorstellungsgespräch und der Chef meinte am Ende, dass er sich vorstellen kann, dass ich sehr gut in das Team passe, da ich so ein sonniges Gemüt habe. Am liebsten hätte ich laut losgelacht. Ich und ein sonniges Gemüt. Klar ich lache gerne und mache gerne irgendwelchen Quatsch, aber ich habe ja auch noch meine ganz dunkle Seite. Obwohl sich dunkle Seite irgendwie viel zu cool und verrucht anhört. Dabei muss ich eher an glitzernde Vampire aus Twilight denken, oder Star Wars. Zumindest nicht an mich. Meine andere Seite ist eher grau. Ein ganz langweiliges grau. Nicht mal wie ein Himmel, der nach einem Unwetter aussieht, sondern einfach nur farblos und trist.

Als ich später darüber nachgedacht habe, ist mir aufgefallen, dass ich oft auf Menschen die mich kaum kennen ganz anders wirke, als ich bin. Einmal hat eine andere Mutter aus dem Kindergarten zu mir gesagt, dass ich total die Streber-Mutter bin, weil ich backe und Schminke. Auf die Idee wäre ich nie im Leben gekommen. Ich habe immer das Gefühl, dass ich mich irgendwie so durchmogele, aber als Strebermutter hätte ich mich nie bezeichnet. Mir kommt ss immer so vor, dass ich viel weniger mache als alle Anderen, weil bei mir nie die Zeit reicht.

Mir ist klar geworden, dass ich mindestens seitdem ich sechzehn bin, einfach nur krampfhaft versuche normal zu sein. Ich wollte immer einfach alles so machen, wie normale Menschen es halt machen. Und dabei habe ich mich selbst vollkommen aus dem Blick verloren. Und das möchte ich ändern. Wie schon in meinem letzten Beitrag erwähnt möchte ich authentisch sein. Ich habe in der letzten Woche noch weiter darüber nachgedacht und ich bin mir jetzt noch sicherer, dass dies eines meiner wichtigsten Ziele ist. Ich glaube aber nicht, dass das einfach wird. Oft fällt es mir noch schwer zu spüren, was ich möchte und mir wünsche. Und selbst wenn ich es weiß ist es für mich sehr schwierig dabei zu bleiben, sobald ich bei anderen auf Widerstand oder Ablehnung stoße. Ich bekomme sehr schnell ein total schlechtes Gewissen, dass mich dann extrem quält. Ich würde dann alles sofort ändern und tun, nur damit dieses schlechte Gewissen endlich aufhört. Der Psychologe meinte bei einem der letzten Termine, dass das schlechte Gewissen nicht so schnell weggehen wird und ich mir Gedanken darüber machen soll, ob es mir nicht mein Leben wert ist. Die Antwort darauf ist schon ja, aber ich weiß nicht, wie ich das aushalten soll. Aber wie schon gesagt. Ich möchte unbedingt die Chance nutzen, die ich durch die Therapie habe.

Schwierigstes Gespräch meines Lebens

Ich hatte gestern das schwierigste Gespräch meines Lebens und bin immer noch total durcheinander. Ich weiß auch gar nicht, was ich erwartet habe. Ich habe lange mit dem Psychologen darüber gesprochen und auch in der Institutsambulanz Bescheid gesagt, dass ich das vorhabe und hinterher eventuell Hilfe brauche. Aber ich glaube wirklich erwartet, dass es so schlimm wird habe ich nicht. Kann ich im Nachhinein mir gar nicht mehr vorstellen, aber ich hätte eigentlich eher erwartet, dass es so abläuft wie bei der Arbeit. Dass sich jemand beschwert, ein Missverständnis aus der Welt geschafft wird und konstruktiv Lösungen gesucht werden. Aber so professionell ist es natürlich nicht abgelaufen. Es hat damit geendet, dass ich aufgestanden bin und fluchtartig das Haus verlassen habe. Wie es jetzt weiter gehen soll weiß ich nicht. Es sind wieder viele alte Gefühle hochgekommen. Und das was sich für mich am schlimmsten anfühlt ist, dass ich mir und meinen Gefühlen und meiner Wahrnehmung gerade nicht mehr trauen kann. Ich habe das Gefühl meinen Bezug zu mir verloren zu haben. Und ich habe das Gefühl eine Situation geschaffen zu haben, mit der ich einfach nur absolut überfordert bin.

Aber ich habe gestern auch ganz viel Liebe und Unterstützung durch meinen Mann und meine Freunde erfahren. Und das gibt mir sehr viel Hoffnung für die Zukunft. Ihr seid einfach die Besten! Was mir noch ein bisschen Sorgen macht ist, dass mein Psychologe den gesamten Oktober im Urlaub ist. Ich glaube nicht, dass es sich mit dem Gespräch von gestern erledigt hat. Und damit bin ich gerade komplett überfordert. Ich werde morgen früh direkt in der Ambulanz anrufen und fragen, ob ich im Oktober öfter dorthin kommen kann. Ich glaube ich brauche gerade alle Unterstützung, die ich irgendwie bekommen kann. Der Psychologe hat mir vorher den Tip gegeben, dass ich mir sagen soll, dass die negativen Gefühle nicht für immer bleiben. Aber jetzt gerade kann ich mir das nicht vorstellen.

In alten Schuhen komme ich nicht zu neuen Zielen.

Ich mache jetzt schon seit ein paar Monaten die Therapie und merke, dass in mir etwas in Gang kommt. Ich habe über vieles nachgedacht und merke jetzt, dass ich einiges ändern möchte und dass sich auch meine Ziele geändert haben.

Am Anfang der Therapie sollte ich meine Ziele benennen. Damals war mein wichtigstes Ziel Frieden mit der Vergangenheit zu schließen. Heute würde ich sagen, dass mein wichtigstes Ziel ist, ein selbstbestimmteres Leben zu führen. Ich möchte nicht mehr alten Mustern folgen und meinen Ängsten und meiner Unsicherheit ausgeliefert sein. Ich möchte mein Leben für mich nach meinen Vorstellungen gestalten. Und ich möchte authentisch sein. Ich möchte nichts mehr vorspielen, dass ich nicht bin. Ich möchte keine Show mehr machen, um meine Verletzlichkeit zu verbergen. Ich möchte auf Augenhöhe mit anderen Menschen in Kontakt kommen.

So in der Theorie kann ich das genau benennen. Aber den Weg wirklich zu gehen scheint mir im Moment fast noch unmöglich. In einigen Beziehungen sind die alten Muster so sehr verankert, dass ich mir nicht vorstellen kann, was passiert, wenn ich dies anspreche und verändere. Ich bin mir ziemlich sicher auf Unverständnis und Ablehnung zu stoßen und ich weiß nicht, was das mit meinem Inneren macht. Ob ich dann noch bei mir und meinen Zielen bleiben kann, oder ob alles in mir zusammen bricht und ich plötzlich gar nichts mehr weiß. Schon die Vorstellung allein macht mir so große Angst, dass ich am liebsten wieder zum Frieden schließen und alles so laufen lassen zurück gehen würde. Aber mir ist auch klar, dass ich mich dann weiter nur immer im  Kreis drehen würden. Und mir ist auch bewusst geworden, dass ich die Therapie jetzt nutzen möchte. Sonst stehe ich in einem Jahr an der gleichen Stelle und habe aber keine Unterstützung mehr, wenn ich etwas verändern möchte. Und dann würde ich sofort wieder zurück gehen zu meinen alten Verhaltensmustern, weil sie sich so bequem und gewohnt anfühlen wie alte ausgelatschte Turnschuhe.

Aber das habe ich in den letzten Jahren schon oft gemacht. Und am Ende bringt es mich immer wieder an den gleichen Punkt zurück an dem dann gar nichts mehr geht.

Ich möchte mir nächstes Jahr, wenn alles erledigt ist zur Belohnung ein Tattoo stechen lassen. Ich habe irgendwo mal ein Bild gesehen, finde es aber leider nicht mehr wieder. Es zeigt eine alte Taschenuhr aus der Rosen heraus kommen. Ich finde aber nur welche von Taschenuhren mit Rosen drumherum. Aber ich denke mal der Tätowierer bekommt das schon hin.

Müdigkeit

Was mich im Alltag zur Zeit eigentlich am meisten stört ist die Müdigkeit. An einigen Tagen merke ich gar nichts und habe Energie. An manchen Tagen habe ich das Gefühl mich eigentlich nur wie ein Zombie irgendwie durch den Tag zu schleppen. Und manchmal ist es so, dass es mir gut geht, sobald ich aber irgendwie sitze und zur Ruhe komme ich mich anstrengen muss die Augen offen zu halten. Ich habe dann das Gefühl, dass ich keine Minute länger mehr wach bleiben kann. Diese Müdigkeit stört mich so, weil mir an schlechten Tagen eigentlich gar nichts Spaß macht. Am liebsten würde ich mich einfach dort wo ich grad stehe auf den Boden legen und schlafen. Ich versuche dann einfach nur den Tag rumzubekommen.

So richtig rausgefunden woran es liegt habe ich noch nicht. Ich könnte mir vorstellen, dass ein Grund ist, dass ich schlecht Pausen machen und auf mich achten kann. Irgendwas gibt es immer noch zu erledigen und wenn ich mich dann hinsetze habe ich ein schlechtes Gewissen. Wenn ich alleine bin fällt es mir sogar schwer mich zum Essen hinzusetzen. Das könnte man ja auch im vorbeigehen machen. Und wenn dann noch andere Dinge dazu kommen denke ich mal, reicht meine Energie einfach irgendwann nicht mehr aus. Auch wenn ich das vermute, schaffe ich es nicht wirklich etwas in meinem Alltag langfristig zu ändern. Ich habe immer das Gefühl jeden Tag an die Grenze meiner Belastbarkeit gehen zu müssen. Sonst habe ich immer schlechtes Gewissen oder fühle mich faul.

Viele Gedanken mache ich mir gerade auch darüber, wieviel ich wirklich lernen kann und wieviel einfach so ist. Letztens ist mir mal wieder klar geworden, dass ich einfach keine Konflikte aushalten kann. Wenn mich jemand direkt angeht bekomme ich sofort Panik und bin mir plötzlich auch überhaupt nicht mehr sicher mich im Recht zu befinden. Und dann bekomme ich ein fürchterlich schlechtes Gewissen, dass mich auch noch tagelang quält, auch wenn es nur um Kleinigkeiten geht. Ich habe schon oft gehört, dass man seine Ängste überwinden muss und es einfach machen soll. Und dadurch soll man sehen, dass es gar nicht schlimm war und man sich damit gut fühlt. Bei mir klappt das aber nicht. Ich fühle mich hinterher eigentlich immer schlechter als vorher und es macht mich einfach nur unfassbar müde. Mein Psychologe hat mich beim letzten Mal gefragt, ob wir Konflikte nicht einfach mal üben wollen. Ich soll mir bis zum nächsten Termin mal Gedanken machen. Ich denke mal, dass ich es in der Therapie natürlich nutzen muss, die Chance zu haben unter Anleitung üben zu können. Außerdem kann es mir natürlich immer passieren, dass ich in einen Konflikt gerate. Ich kann es mir ja so nett machen, wie ich will, aber das echte Leben holt mich doch immer wieder ein. Andererseits bin ich mir aber nicht sicher, wie groß dabei die Erfolgsaussichten sind. Ein Vogel ohne Flügel wird auch nicht fliegen lernen, egal wie viel er übt. Und ich habe gerade nicht das Gefühl, als hätte ich sehr viele Ressourcen übrig. Ich werde das nächste Woche noch mal Ansprechen und hören, was der Psychologe dazu sagt. Sich zu verkriechen ist ja auf jeden Fall keine Option!