Spaß und Ablenkung

In meinem letzten Beitrag habe ich geschrieben, dass es mir in einem schlechten Phase sehr geholfen hat ins Fitnessstudio zu gehen. Da ist mir die Idee gekommen darüber zu schreiben welche Aktivitäten mir helfen.

Da ich vom Fitnessstudio geschrieben habe, fange ich gleich mal mit dem Thema Sport an. Als Kind habe ich immer viel Sport gemacht. Alle Mitglieder meiner Familie machen viel Sport und es gehörte einfach dazu. Nach der Geburt meiner ersten Tochter habe ich damit aufgehört und fühlte mich total befreit. Ich hatte vorher nie darüber nachgedacht. Es war für mich einfach etwas das man machen muss. Häufig habe ich mich aber im Alltag auch sehr damit gestresst auch drei Mal in der Woche Sport zu treiben. Das ich das jetzt einfach nicht mehr musste tat mir total gut. Ich bin davon ausgegangen jetzt nie wieder irgendwelchen  Sport zu machen. Vor ungefähr drei Jahren hatte ich dann immer mal wieder Rückenschmerzen und dachte, dass ich vielleicht doch mal wieder trainieren sollte. Ich sagte mir, dass es ja nicht um den Spaß, sondern um die Gesundheit geht. Es macht ja auch keinen Spaß zum Gynäkologen oder Zahnarzt zu gehen. Ich suchte mir ein Fitnessstudio in meiner Nähe, dass viele Kurse anbietet. Anfangs ging ich immer morgens zu einem Step-Aerobic Kurs. Dabei wurde die Kondition trainiert und auch Kräftigungsübungen gemacht. Also gleich alles in einer Stunde erledigt. Irgendwann wollte ich mir auch mal etwas anderes angucken und bin zu einem Kurs gegangen, der Body und Mind heißt. Das ist eine Mischung aus Yoga und Pilates. Das hat mir total gut getan und Spaß gemacht. Ich hatte den Eindruck, dass die Trainerin Sport macht, weil es ihr einfach Spaß macht. Das hat meine Einstellung zum Sport total verändert. Ich gehe gerne zu Kursen, bei denen es nicht vorrangig um das Thema aussehen geht. Über das Thema Körperbild werde ich auf jeden Fall meinen nächsten Beitrag schreiben. Da passt das Thema Sport in Bezug auf die Figur auch super rein. Jetzt möchte ich noch über einige andere Dinge schreiben.

Zum Beispiel über das Nähen. Ich habe mir vor einigen Jahren eine Nähmaschine gekauft. Ich wollte einfach mal lernen wie man zum Beispiel eine Gardine umnäht. Damit habe ich dann angefangen und es hat mir so viel Spaß gemacht, dass ich immer weiter gemacht habe. Ich kaufe mir häufig Schnittmuster und sehe mir Anleitungen bei YouTube an. In einer sehr depressiven Phase hatte ich mal ein Gespräch in der psychiatrischen Ambulanz mit einer Pflegefachkraft für Psychiatrie. Sie meinte, dass ich wenn ich merke, dass ich mir zu viele Gedanken über meine Ängste mache, mir ganz bewusst Stop zu sagen und an etwas anderes denken sol, dass ich mir vorher überlegt habe. In dieser Situation dachte ich, dass das überhaupt nicht geht. Als es mir aber wieder besser ging konnte ich es üben und jetzt klappt es recht gut. Ich denke dann immer über mein aktuelles Nähprojekt nach und wie ich als nächstes weitermache. Oder ich überlege was ich als nächstes nähen könnte, ob ich dafür schon ein Schnittmuster habe und welchen Stoff ich benutze.

Was mir noch sehr gut hilft sind Hörbücher. Ich liebe Geschichten eigentlich in jeder Form. Bücher, Serien, Filme oder Reportagen. Nach der Geburt meiner großen Tochter bin ich viel mit ihr spazieren gegangen und da habe ich angefangen Hörbücher zu hören. Super ist das auch bei der Hausarbeit. Ich folge der Geschichte und komme so gar nicht dazu über negatives nachzudenken.

Kurzem habe ich das Buch Magic Cleaning von Marie Kondo gelesen bzw. gehört natürlich. Und ich bin jetzt total motiviert aufzuräumen und auszumisten. Dazu schreibe ich aber auch noch mal extra. Da fällt mir einiges zu ein und der Beitrag ist schon jetzt lang genug.

 

Die Einzige meiner Art

In den letzten Jahren ist mir klar geworden, dass meine Erkrankung keine Phase ist, die wenn ich mich anstrenge und mich zusammen reiße verschwindet. Nach vielen Tiefpunkten und Rückschlägen ist mir klar geworden, dass diese Herangehensweise eigentlich total kontraproduktiv ist.

Rückblickend habe ich mich immer nur schuldig gefühlt, dass ich einfach nicht so funktioniere wie andere. Besonders meiner Familie gegenüber. Nach außen hin konnte ich alle Symptome immer sehr gut verstecken und überspielen. Aber 24 Stunden am Tag kann ich mich einfach nicht zusammen reißen. Irgendwann kommen die Gefühle dann doch raus. In solchen Momenten fühle ich mich immer sehr schlecht und schuldig. Ich versuche mich dann noch mehr anzustrengen, zusammenzureißen und zu funktionieren. Irgendwann komme ich dann aber immer wieder an einen Punkt, an dem gar nichts mehr geht und ich einfach nur noch erschöpft bin. Im Moment versuche ich mir immer wieder zu sagen, dass es eine Krankheit ist und niemand etwas dafür kann, krank zu sein.

Vor ein paar Wochen habe ich zufällig von Radio Sonnengrau gehört. Das ist eine Radiosendung, in der es um psychische Erkrankungen geht. Ich habe mir einfach mal eine Sendung bei YouTube angehört und bin total begeistert. Das ist jetzt vielleicht acht Wochen her und ich habe jetzt schon fast alle Sendungen nachgehört. Und es hilft mir total von anderen zu hören, dass es ihnen ähnlich geht. Dass ich nicht der einzige Mensch bin, der solche Probleme hat und dass ich mich nicht dafür schämen muss eine Krankheit zu haben und auch nicht Schuldig bin. Ich hatte immer das Gefühl alles was ich mache besser machen zu müssen, als alle anderen um meine Defizite irgendwie auszugleichen. Aber dadurch, dass ich die Geschichten und Tips von anderen gehört habe, habe ich das Gefühl, dass ich das vielleicht gar nicht muss und das fühlt sich total befreiend an. Es dauert bestimmt noch lange, bis ich das wirklich kann, aber dass ich das erstmal für mich erkannt habe fühlt sich schon mal sehr gut an. Ich muss alle Symptome als Krankheit annehmen und nicht als Schuld und Versagen sehen.

Ich traue mich noch nicht, in meiner direkten Umgebung offen damit umzugehen. Ich glaube dass ich noch nicht stark genug bin, damit umzugehen wenn jemand negativ und mit Ablehnung und Unverständnis reagiert. Aber ich hoffe, dass ich es irgendwann einmal kann. Mir ist klar geworden, dass es nichts bringt sich zusammen zu reißen und zu verstellen.

Ich bin sehr froh und dankbar dafür, dass es Menschen gibt, die so mutig sind, öffentlich über psychische Erkrankungen  zu sprechen. Es hilft mir und ich denke mal auch vielen anderen Betroffenen sehr. Wenn ich von Menschen höre, die mir total sympathisch sind und ähnliche Probleme haben wie ich, dann denke ich, dass ich ja vielleicht doch gar nicht so schrecklich bin, wie ich es immer angenommen habe.

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