Neue Möglichkeiten auf Grund von Einschränkungen

Letzte Woche habe ich endlich den Anruf bekommen, dass ich am 11.5. mit der Reha beginnen kann. Es wird allerdings auf Grund von Corona anders laufen als sonst. Ich komme erstmal zum Aufnahmegespräch in die Rehaeinrichtung und anschließend immer nur einmal in der Woche. Für die restliche Zeit bekomme ich Aufgaben für zuhause und kommuniziere per Mail oder Telefon mit den Mitarbeitern. Ich bin wirklich gespannt. Bis jetzt kann ich mir den Ablauf schlecht vorstellen. Ich konnte selbst entscheiden, ob ich unter diesen Umständen schon mit der Reha beginnen will. Die Mitarbeiterin meinte aber auch, dass es wahrscheinlich noch lange dauert, bis zur Normalität zurück gekehrt werden kann. Das ist ja auch das, was wir zur Zeit immer wieder in den Nachrichten hören. Daher habe ich mich recht schnell dazu entschieden jetzt schon anzufangen. Zum einen, weil ich das Gefühl habe, dass es Zeit ist mich wieder um das Thema Arbeit zu kümmern. Und zum Anderen, weil mein ALG 1 am 30. August ausläuft und ich vorher beginnen muss, um Übergangsgeld in der gleichen Höhe zu bekommen. Außerdem weiß ich nicht, ob es nach der Maßnahme direkt nahtlos weitergeht. Da wäre es gut, wenn ich zur Überbrückung noch ALG 1 Anspruch habe. In der Vergangenheit habe ich ja bereits gemerkt, dass das alles nicht so schnell geht.

In der letzten Zeit muss ich immer wieder an eine sehr passende Erkenntnis aus der Tanztherapie denken. Tanztherapie wurde auf der Psychotherapiestation angeboten. Ich war sehr gespannt, weil ich mir gar nicht vorstellen konnte wie dies abläuft. Wir waren eine Gruppe von ungefähr 8 Patienten. Naja, in der Zeit in der ich da war eigentlich nur Patientinnen. Angefangen wurde mit einigen Tänzen nach festgelegtem Ablauf. Anschließend konnten wir uns frei bewegen. Es gab aber jedesmal andere Aufgaben. Zum Beispiel sich nur vorwärts oder rückwärts zu bewegen. Oder nur runde oder eckige Bewegungen zu machen. Anschließend haben wir in der Gruppe über die Empfindungen dabei gesprochen und gemeinsam überlegt, wie dies zu uns und unserem Leben passt. Am Anfang war ich überrascht wie viele Emotionen bei mir dabei hoch gekommen sind. Ich habe fast jedes mal dabei geweint.

An einem Tag war die Aufgabe abwechselnd nur den Oberkörper, den Unterkörper, die rechte Körperhälfte oder die linke Körperhälfte zu bewegen. In der Reflektion haben wir dann wieder darüber gesprochen wie sich dies für uns angefühlt hat. Mir hat es viel Spaß gemacht, da ich auf Bewegungen gekommen bin, die mir sonst nie eingefallen wären. Dies kann ich auch auf viele Situationen im Leben übertragen. Zum Beispiel mit einer psychischen Erkrankung zu Leben. Einiges geht nicht und mit Sicherheit wäre das Leben anders verlaufen ohne diese Erkrankung. Aber vielleicht kommen wir so auch auf ganz andere Ideen, auf die wir sonst nie gekommen wären. Ideen die spannend sind und Spaß machen. Auf die wir sonst nicht gekommen wären. Es passt auch auf die jetzige Einschränkungen unseres gewohnten Lebens auf Grund von Corona und die veränderte Reha. Wer weiß, wofür es gut ist, dass die Reha so läuft, wie sie jetzt läuft und was ich daraus lernen kann und welche neuen Ideen es mir bringt.

Viele Modi und mein Monster

Ich möchte in diesem Beitrag ein bisschen mehr über die stationäre Therapie erzählen. Auf der Psychotherapiestation auf der ich war, wird schematherapeutisch gearbeitet. Die Schematherapie ist ein Mix aus Verhaltenstherapie und tiefenpsychologischer Therapie.

In unserer Kindheit entstehen durch belastende Situationen problematische Elternmodi. Sie sagen uns Dinge wie z.B. „reiß dich zusammen“, „du musst dich mehr anstrengen“, oder „du bist zu dumm dafür“. Dies muss aber nicht durch die Eltern geschehen. Es können auch Lehrer, Trainer oder mobbende Mitschüler sein. Dadurch fallen wir auch heute noch in den Modus des ängstlichen, verletzten oder wütenden Kindes. Um dies zu kompensieren entwickelt jeder Mensch in seinem Leben verschiedene Kompensationsmethoden, die Bewältigungsmodi. Hier wird zwischen Vermeidung, Erduldung und Überkompensation unterschieden. Alle diese Modi sind für uns heute als Erwachsener destruktiv. Es gibt aber auch zwei gesunde Modi, den des glücklichen Kindes und den des gesunden Erwachsenen.

Als erstes ging es darum bei uns die verschiedenen Modi zu erkennen und zu verstehen, dass sie aus unserer Vergangenheit kommen. Am Anfang fühlte ich mich komplett überfordert. Ich konnte sehen, dass ich einen riesigen strafenden Elternmodi habe und auch, dass ich je nach Situation sehr stark die Bewältigungsmodi nutze, um mein verletztes Kind zu schützen. Ich habe die Therapie am Anfang aber so verstanden, dass ich die Bewältigungsmechanismen ablegen muss. Das konnte ich mir überhaupt nicht vorstellen. Ich hatte das Gefühl, dass ich dem strafenden Elternmodus dann komplett ausgeliefert wäre. Der Psychologe hat mir dann aber erklärt, dass es darum nicht geht. Erstmal geht es nur um das Verstehen. Diese Modi haben auch gesunde Menschen. Bei einigen psychisch erkrankten Menschen ist es aber so, dass sie übermächtig werden und die Menschen so unflexibel in ihrem Handeln sind. Das Ziel ist es also flexibel zu werden und im Alltag mein Verhalten erkennen zu können. Oder auch die Bewältigungsmodi bewusst als Skill zu nutzen. Das hat mich sehr beruhigt und ich konnte mir wieder vorstellen daran weiter zu arbeiten.

Die Schematherapie ist eine recht neue Methode. Daher gibt es noch nicht ausreichend Studien zur Wirksamkeit. Aus diesem Grund wird sie von den Krankenkassen noch nicht bezahlt. es ist deshalb auch schwierig Therapeuten zu finden, die diese Methode ambulant anbieten. Kliniken können sie aber schon nutzen, da sie neben dieser auch viele andere Methoden anbieten.

Ich habe mich wärend des Krankenhausaufenthaltes viel mit dem strafenden Elternmodus beschäftigt. Auch in der Malgruppe war er immer wieder Teil meiner Bilder. Ich hatte das Gefühl, dass er immer größer, bedrohlicher und lauter wird. Der Psychologe meinte, dass ich lange genug gegen ihn gekämpft habe und es nicht wirklich geholfen hat. Und dass es vielleicht Zeit ist ihn als Teil von mir zu akzeptieren. Ihm kommt es bei mir so vor, als wüsste ich recht genau, welchen Weg ich gehen möchte. Dann springt mir aber immer wieder ein Monster in den Weg. Und dieses Monster ist mein strafender Elternmodi aus der Vergangenheit. Da das kämpfen nichts gebracht hat und es nicht einfach weggehen wird, war der Vorschlag es in einen Käfig zu sperren und mit mir mitzunehmen. So richtig vorstellen kann ich mir das aber noch nicht. Wenn ich das Monster in einen Käfig sperre und hinter mir herziehe wird es mich ja die ganze Zeit vollquatschen. Aber eine bessere Idee habe ich auch noch nicht. Kämpfen hat nichts gebracht und wenn ich weglaufe kommt es hinterher. Ein anderer Ansatz den mir der Psychologe gesagt hat, ist es den gesunden Erwachsenen zu stärken. Er sagte, dass dies auch gut bei ex&job möglich ist. Das kann ich mir schon wesentlich besser vorstellen und vielleicht fällt mir in der Zwischenzeit auch ein, was ich mit meinem Monster anfangen soll.

Voll und ganz wieder in der echten Welt angekommen

Guten Morgen ihr Lieben,

ich bin aus dem Krankenhaus entlassen. Schon seit dem 13.3. aber bevor ich schreiben konnte musste ich alles erstmal sortieren. Jetzt bin ich aber wieder voll und ganz in der echten Welt angekommen und habe euch ganz viel zu erzählen.

Die Therapie im Krankenhaus war sehr hart und anstrengend. Zwischendurch habe ich auch wirklich daran gezweifelt, ob es die richtige Entscheidung war und ich hätte am liebsten früher abgebrochen. Aber ich muss sagen, dass es mir seitdem ich zu Hause bin wirklich gut geht und ich glaube immer mehr, dass mir die stationäre Therapie wirklich viel gebracht hat. Ich habe mir auch zwischendurch immer wieder gesagt, dass ich ja extra die Therapie stationär mache, weil mir klar war, dass es mir dabei schlecht gehen wird.

In der ersten Woche war es noch sehr langweilig. Ich hatte noch gar keine Gruppen und meist war die Ergotherapie mein einziger Termin am Tag. Am meisten Sorge hatte ich vor dem ersten Wochenende, weil man dann noch nicht nach Hause darf und es außer den Mahlzeiten keine Termine gibt. Ich war aber wirklich positiv überrascht, dass es überhaupt nicht schlimm war. Ich hatte mir in der Ergotherapie Stricknadeln und Wolle ausgeliehen und habe mit YouTube-Videos angefangen stricken zu lernen. Außerdem hatte ich das Glück, dass in der Woche in der ich aufgenommen wurde auch noch mehrere andere neu gekommen sind, mit denen ich mich allen sehr gut verstanden habe.So nach ungefähr einer Woche ging es dann aber richtig los und ich vermisste ganz schnell die Ruhe der ersten Woche, was ich nie vermutet hätte. Ich war ziemlich schnell in vielen Gruppen. Darunter Tanztherapie, Malgruppe, Gestalttherapie, Schematherapiegruppe, Stressbewältigung und Depressionsbewältigung. Zu der Therapie und den Inhalten der Gruppen schreibe ich noch mal einen separaten Beitrag. Da gibt es auch noch eine Menge zu berichten. Zusätzlich hatte ich einmal in der Woche Einzelgespräche mit meiner Bezugspflegekraft und einmal mit meinem Bezugstherapeuten. Der Psychologe ist wirklich super. Ich habe mich sehr wohl gefühlt und konnte ab der ersten Stunde wirklich über alles sprechen. Daher sind wir aber auch schnell an die Punkte gekommen, die wirklich weh tun. Die ersten drei Wochen haben wir noch wirklich viel über die Vergangenheit gesprochen, da es mir dann aber extrem schlecht ging haben wir das Ziel angepasst. Es ging dann mehr darum die Vergangenheit und alles was sie mit mir gemacht hat als Teil von mit anzunehmen und zu akzeptieren. Mir ist bewusst geworden, dass ich viele Gefühle lange verdrängt habe und teilweise selbst gar nicht mehr hinter meine Fassade gucken konnte. Und dann kamen alle Gefühle auf einmal. Und haben mich komplett überfordert. Im Nachhinein muss ich sagen, dass es die richtige Entscheidung war die Therapie stationär zu machen. Da ich erstmal mit meinem sonstigen Alltag komplett überfordert gewesen wäre, und weil dort auch immer Jemand zu Unterstützung da war. Das gesamte Team dort ist wirklich toll und engagiert. Ich hoffe nicht, dass ich noch mal eine stationäre Therapie machen muss, aber wenn, dann würde ich immer wieder dort hingehen.

Mein Entlassungstermin war eigentlich für den 26.3. geplant. Dann kam aber Corona und auf Grund der Schulschließungen wurde es bei uns zu Hause mit der Kinderbetreuung schwierig. Daher habe ich mich schon am 13.3. dazu entschlossen mich vorzeitig entlassen zu lassen. Das war aber in Ordnung. Mein Bezugstherapeut hätte ab der nächsten Woche sowieso Urlaub gehabt und wir haben am Tag vorher schon das Abschlussgespräch gehabt. Es war also eine runde Sache.

Im Moment warte ich darauf, dass die medizinisch-berufliche Reha beginnt. Eigentlich sollte es recht nahtlos nach meiner Krankenhausentlassung losgehen. Aber auch das wurde auf Grund von Corona verschoben. Die Mitarbeiterin meinte, dass es vor dem 20.4. definitiv nicht losgeht. Ich bin also mal gespannt, was die neue Woche bringt. Zur Zeit ist es für uns natürlich mit der Kinderbetreuung super, dass ich gerade zu Hause bin. Das ist ja für sehr viele andere gerade sehr viel anstrengender und schwieriger! Ich hoffe es geht euch allen gut und ihr kommt gut durch diese chaotische Zeit!

Kreativ und individuell

Letztens ist mir aufgefallen, dass ich noch gar nicht über mein Bullet Journal geschrieben habe. Ich benutze es so oft, dass es für mich schon so selbstverständlich geworden ist und ich gar nicht daran gedacht habe davon zu erzählen.

Ein Bullet-Journal ist kurz gesagt eine Mischung aus einem Kalender und einer To-do-Liste. Man gestaltet es selbst und ganz auf die individuellen Bedürfnisse zugeschnitten. Zum anfangen braucht man eigentlich nur ein Notizbuch mit Seitenzahlen, einen Stift und ein Lineal. Ich benutze ein Notizbuch mit gepunkteter Lineatur. Da ist recht wenig vorgegeben, aber es reicht für die Orientierung auf der Seite. Das kann man sich aber ganz nach eigener Vorliebe aussuchen. Auch ob man es sehr Minimalistisch führen möchte, oder es mit Bildern oder Handlettering gestalten möchte ist ganz einem selbst überlassen. Am Anfang habe ich mir einige Seiten bei Pinterest angesehen und bin zu dem Schluss gekommen es ganz einfach zu führen. Mein erster Gedanke war, dass ich dafür keine Zeit habe. Irgendwann habe ich dann aber doch mal angefangen es etwas zu dekorieren und etwas rein zu malen. und es hat mir so viel Spaß gemacht, dass ich dabei geblieben bin. Außer wenn ich mal wenig Zeit habe, aber meist dekoriere ich die Seiten doch irgendwie. Aber ich glaube man muss es einfach ausprobieren.

Als erstes beginnt man mit dem Inhaltsverzeichnis. Danach folgt eine Jahresübersicht. Damit man auch schon weit im voraus gemachte Termine eintragen kann. Danach kommt die Übersicht über den nächsten Monat. Hier kann man direkt die bereits gemachten Termine aus der Jahresübersicht eintragen. Und dann kommen auch schon die Wochenübersichten in die man direkt die Termine aus der Monatsübersicht eintragen kann. Ich habe mehrere Designs die ich bei Pinterest gesehen habe ausprobiert und bin jetzt lange dabei geblieben die beiden Seiten für die Woche einfach in 8 Kästchen einzuteilen. Ein Kästchen für jeden Tag und eines für Notizen. Am Sonntag trage ich immer alle Termine ein, die in der nächsten Woche anliegen. Danach überlege ich was ich kochen möchte und trage auch dies ein. Dann kann ich direkt einen Einkaufszettel schreibe. Und dann trage ich bei den Notizen ein, was diese Woche zu erledigen ist. Dann schaue ich noch einmal in der letzten Woche nach, on etwas nicht erledigt wurde. Wenn ja, dann trage ich es diese Woche wieder ein. Alles was ich erledigt habe, hake ich ab. Das ist meiner Meinung nach das schönste daran, weil ich mich jedes Mal freue etwas erledigt zu haben.

Ansonsten kann man auch noch alles andere eintragen, was einem nützlich erscheint. Häufig mache ich eigene To-do-Listen für bestimmte größere Dinge. Ich habe auch eine Seite für Geschenkideen und Rezepte, die ich gerne öfter kochen möchte. Auch schon gesehen habe ich Seiten, in denen sich jemand aufgeschrieben hat, welche Filme er gerne sehen möchte, bzw. welche Bücher er lesen möchte. Der Fantasy sind keine Grenzen gesetzt. Wen es interessiert dem würde ich empfehlen Bullet Journal einfach einmal zu googeln. Dabei bekommt man sofort tolle Anregungen.

Mir gefällt dabei am besten die Möglichkeit zur Kreativität und dass ich mir viel weniger merken muss, da ich mir vieles direkt aufschreibe und später immer wieder nachlesen kann. Außerdem kann ich die nächste Woche viel besser organisieren und spare mir doppeltes herumgefahre, weil ich irgendetwas vergessen habe. In dieser gesparten Zeit kann ich locker eine neue Wochenübersicht gestalten.

Ich und mein Scheißhaufen

In meinem letzten Beitrag  habe ich ja über das Thema Achtsamkeit geschrieben und auch, dass ich mir vorgenommen habe weiter daran zu arbeiten. Ich habe damals angefangen bei YouTube nach geführten Meditationen zu suchen. So habe ich das erste Mal Videos von Veit Lindau gesehen. Es hat mir so gut gefallen, dass ich weiter gesucht habe und bei Spotify habe ich den Podcast Seelengevögelt gefunden https://open.spotify.com/show/0Kg5EBIVPMR7hlR95fI5sF.

Vorher hatte ich immer große Schwierigkeiten mit Entspannungstechniken und Gedankenreisen. Ich konnte mich noch nie darauf einlassen und bin immer recht schnell gedanklich ausgestiegen und habe mir überlegt, was noch so auf meiner To-Do-Liste für den Tag steht oder was ich zum Abendessen kochen könnte. Die geführten Meditationen hier sind aber irgendwie so gut gemacht, dass ich mich wirklich darauf einlassen konnte und ich immer das Gefühl hatte, dass sie mich wirklich weiterbringen und ich im Anschluss neue und ganz andere Ideen hatte.

Der Podcast begleitet mich bestimmt schon ein halbes Jahr in meinem Alltag und hat mich immer wieder sehr ermutigt und bestärkt den Weg weiter zu gehen. Ich hatte das Gefühl, oft zum richtigen Zeitpunkt den richtigen Beitrag zu hören. In schwierigen Zeiten habe ich auch öfter Beiträge noch mal gehört, von denen ich wusste, dass sie mich auch weiterhin ermutigen und bestärken werden. So war es auch bei einem Beitrag über das Buch Fucked UP von Veit Lindau https://veitlindau.com/fucked-up/. Auf dieser Seite gibt es dazu auch einen Online Kurs und ein First-Aid-Kit. Ich glaube den habe ich kurz nach dem Aufenthalt in der Tagesklinik gemacht. Vorher habe ich meine Probleme immer versteckt und allen um mich herum etwas vorgespielt. So lange bis ich selbst gar nicht mehr wusste, was ich überhaupt empfinde. Im letzten Beitrag hatte ich schon geschrieben, dass ich es auch gar nicht mehr empfinden wollte. Es war einfach viel zu viel geworden und passte auch überhaupt nicht in mein Leben. Ich wollte bis zur Aufnahme in die Tagesklinik um jeden Preis weiter funktionieren. Um jeden Preis und das war einfach unmöglich, wenn ich die Gefühle in mir zulasse und ansehe. Und dann kam in diesem Online-Kurs die Aufforderung mir meinen Scheißhaufen anzusehen und ich habe es getan. Und am Ende muss ich sagen, so schlimm wie befürchtet war es gar nicht. Es hat sich vorher so angefühlt, als lauerten in mir unzählige Monster, aber als ich alles aufgeschrieben hatte waren es gar keine Monster, sondern eigentlich nur ganz normale Probleme die ich angehen kann. Besonders geholfen hat mir auch der Rat mir und anderen gegenüber mein scheitern einzugestehen und um Hilfe zu bitten. Es ist so viel einfacher ein passendes Hilfsangebot zu finden, wenn ich weiß, wo mein Problem liegt. So konnte ich zum Arbeitsamt gehen und sagen, dass ich in der Pflege vieles versucht habe, alles nicht dauerhaft funktioniert hat und ich Hilfe dabei brauche einen Beruf zu finden, indem ich dauerhaft gesund arbeiten kann. Oder wie jetzt aktuell einen für mich passendes Therapieangebot zu finden, um endlich mit der Vergangenheit abschließen zu können. Vorher konnte ich nur sagen, dass ich ein Problem mit meinem Selbstwert und immer wieder Depressionen habe. Mir ist klar geworden, dass es überhaupt nichts bringt mir und anderen etwas vorzumachen. Die Probleme sind ja nicht weg, nur weil ich nicht hingucke. Ich hätte, bevor ich diesen Podcast kannte nicht geklaubt, dass mir ein Buch; Podcast oder Online-Kurs so viel weiterbringen kann.

Doch mehr als Kuscheldecken

Die Tagesklinik in der ich war hat viele Angebote zum Thema Achtsamkeit. Ich hatte früher schon mal einen Bericht darüber gelesen und war auch mal bei einem Seminar zum Thema Zen Meditation. Wenn ich an das Seminar denke, sind mir eigentlich nur meine kalten Füße im Gedächtnis geblieben. Achtsamkeit war zumindest noch nicht in meinem Alltag angekommen.

Die Übungen in der Tagesklinik sind mir am Anfang extrem schwer gefallen. Zur progressiven Muskelentspannung bin ich immer gerne gegangen. Man konnte dort liegen und es gab kuschelige Decken und spätestens nach fünf Minuten war ich eingeschlafen. Zum Glück habe ich nie geschnarcht. Aber das ist ja eigentlich nicht Sinn und Zweck der ganzen Sache. Am schwersten ist mir der Body-Check gefallen. Es wird jedes Körperteil durchgegangen und man soll wertfrei hinein fühlen. Das konnte ich nicht aushalten. Nach dem ersten Körperteil musste ich gedanklich aussteigen. Ich konnte es einfach nicht aushalten. Ich habe das beim nächsten Einzelgespräch angesprochen. Der Therapeut hat mich daraufhin gefragt, was denn passieren würde, wenn ich alles wahrnehme was ich empfinde. Und mein erster Gedanke war, dass ich das nicht aushalten würde und ich auch auf keinen Fall weiter in meinem Beruf arbeiten kann. Mit der Zeit ist mir aber immer mehr klar geworden, dass dies der Weg ist. Dass ich mich und meine Gefühle kennen lernen muss, um meinen eigenen Weg zu finden. Auch wenn es bedeutet, dass es weh tun wird und ich viel ändern muss. So wie ich es vorher gemacht habe, hat es ja definitiv nicht funktioniert. Ich habe dann versucht an möglichst vielen Angeboten zum Thema Achtsamkeit teilzunehmen und auch möglichst Gedanklich dabei zu bleiben. Und es als Übung zu sehen. In der ambulanten Therapie habe ich damit weiter gemacht. Anfangs haben wir den Body-Check gemeinsam in der Stunde gemacht. Später habe ich es dann zu Hause mit einer YouTube-Anleitung gemacht. Es dauert schon immer recht lange und in der Therapiestunde wollte ich noch eine ganze Menge anderes besprechen. Und beim suchen auf YouTube bin ich dann auf Veit Lindau gestoßen. Dazu möchte ich aber eine ganze Menge schreiben und daher mache ich das in einem separaten Beitrag.

Inspiration für eine positivere Sicht

Das Datum der Krankenhausaufnahme rückt immer näher und ich werde immer aufgeregter. Es könnte von mir aus nochmal nach hinten verschoben werden. Ich bin mir immer noch sicher, dass ich das so machen möchte. Aber da es jetzt plötzlich losgeht habe ich schon Angst. Das ganze letzte Jahr habe ich gefühlt immer nur irgendwas beantragt und so wirklich passiert ist eigentlich wenig. Aber jetzt soll es nächste Woche wirklich losgehen. Andererseits bin ich aber auch froh. Ich glaube es ist so langsam wirklich an der Zeit.

Da ja aber noch gar nicht wirklich etwas neues passiert ist, möchte ich damit weiter machen euch von Dingen zu erzählen, die mir im letzten Jahre geholfen haben. Ich habe durch Zufall den YouTube Kanal „der Krebs hat Krebs gefunden“.https://www.youtube.com/channel/UC98CRvsm9WPSPsZW2hSI6HA

Bis jetzt gibt es schon 69 Teile und ich habe vor einigen Monaten irgendwo in der Mitte angefangen zuzuhören. Da mich die Geschichte aber so sehr interessiert hat, bin ich zurück gegangen zum Eröffnungsvideo und habe dann nach und nach wirklich alle Teile gesehen, bzw. gehört. Ich höre der Anuschka, die in diesem Kanal ihre Geschichte erzählt einfach gerne zu, da sie eine sehr sympathische und lustige Art hat. Außerdem hat mich ihre Sichtweise total inspiriert und mich ermutigt meinen Weg so weiter zu gehen, wie ich ihn gegangen bin. Ich denke schon lange darüber nach, wie ich das ganze Schreiben soll. Ich finde es ist so schwer zu vergleichen. Und häufig macht es mir auch ein schlechtes Gewissen, da ich keine potenziell lebensbedrohliche Erkrankung habe. Aber ich wollte trotzdem unbedingt davon erzählen, da mich ihre Videos so sehr motiviert haben weiter dran zu bleiben und noch mal den Arzt zu wechseln und etwas Neues auszuprobieren. Und auch einfach mal einen neuen und positiveren Blick auf das Leben zu haben, als ich ihn sonst selbst habe. Auch von ihrem Umgang mit Rückschlägen war ich die ganze Zeit über begeistert. Ich kann euch allen nur diesen Kanal empfehlen. Vielleicht geht es dem einen oder anderem dabei so wie mir.

Auf der Suche nach dem Wesentlichen zwischen dem ganzen Kram

In den letzten Beiträgen habe ich euch auf den neuesten Stand gebracht, was im letzten Jahr bei mir alles passiert ist und wie meine Pläne für die Zukunft aussehen. Jetzt würde ich gerne von den Dingen erzählen, die mir zusätzlich zur Therapie geholfen haben.

Ich habe schon in früheren Beiträgen darüber berichtet, dass ich gerne nachhatiger und minimalistischer Leben möchte. In diesem Beitrag möchte ich erzählen, wie es bis jetzt damit weiter ging.

Ich habe schon vor einiger Zeit das Buch Magic Cleaning von Marie Kondo gelesen und habe direkt motiviert mit dem Ausmisten angefangen. Das Konzept finde ich immer noch super, aber mit dem immer perfekt aufgeräumten Haus ohne weiterhin aufzuräumen hat es leider nicht geklappt. Realistisch gesehen ist das aber denke ich mal auch bei einem Haushalt mit fünf Personen und zwei Hunden kaum möglich. Anfangs habe ich mich mit dem Gedanken, dass ich einfach nur alles überflüssige loswerden muss und es dann immer aufgeräumt ist ziemlich gestresst. Jetzt versuche ich das ganze lockerer anzugehen und das Ausmisten eher als kontinuierlichen Prozess anzusehen. Letzte Woche haben wir den Flur erneut gründlich ausgemistet und ich frage mich immer noch, wo dauernd die ganzen Sachen herkommen. Meinem Empfinden nach habe ich mein Konsumverhalten schon stark verändert und wir haben schon mindestens dreimal ausgemistet und trotzdem hatten wir wieder zwei Müllsäcke voll mit Dingen die wir nicht mehr brauchen Am schlimmsten ist das immer in den Kinderzimmern. Obwohl ich es mir dort erklären kann. Kleidung wird zu klein und Interessen und Bedürfnisse von Kindern ändern sich noch wesentlich häufiger, als bei Erwachsenen. Ich habe mir vorgenommen in Zukunft einmal im Jahr jeden Raum gründlich auszumisten. Das wichtigste ist es aber meiner Meinung nach, weiterhin an meinem Konsumverhalten zu arbeiten.

Womit ich zu einem weiteren großen Feld komme. Minimalismus. Dieses beinhaltet mehrere Aspekte, aber mit dem Konsum möchte ich anfangen. Von April 2018-April 2019 habe ich den Versuch gemacht nichts mehr zu kaufen, was sich nicht verbraucht und ich habe es geschafft. Ich habe gemerkt wieviel Zeit eigentlich dabei drauf geht. Außerdem habe ich immer irgendeine Lösung gefunden mit Dingen, die ich schon zu Hause hatte. Früher habe ich einfach etwas Neues gekauft. Da dieses in dieser Zeit aber nicht ging, habe ich nach einer anderen Lösung gesucht und immer eine gefunden. Das möchte ich auf jeden Fall beibehalten. Ich versuche nur noch Dinge zu ersetzen, die kaputt gegangen sind. Außerdem versuche ich mich von Trends freizumachen. Das spart wirklich viel Zeit, Energie und Geld und am Ende auch Müll.

Ein weiterer Punkt zum Thema Minimalismus sind für mich Aktivitäten. Ich versuche mich möglichst auf möglichst wenige zu beschränken und nichts mehr nur zu machen, weil ich denke, dass man das machen muss. Mit drei Kindern ist das aber wirklich eine Herausforderung. Besonders im Dezember, wenn überall noch irgendwelche Weihnachtsveranstaltungen stattfinden.

Ansonsten haben wir noch versucht möglichst wenig Müll zu produzieren. Wir haben beim örtlichen Biobauern und im unverpackt Laden eingekauft. Nachdem wir uns aber im letzten Jahr unsere Finanzen genauer angeschaut haben, mussten wir das ganze leider wieder etwas reduzieren, da es wirklich wesentlich teurer war, als vorher und wir es uns zur Zeit leider nicht leisten können. Ich versuche es aber trotzdem in unseren Möglichkeiten weiter zu machen. Auch beim ALDI gibt es unverpacktes Obst und Gemüse und ich versuche bei allem was ich kaufe das am wenigsten verpackte Produkt zu nehmen. Außerdem bleibe ich bei den Stofftaschentücher. Ich benutze waschbare Putzlappen statt Küchenkrepp und waschbare Abschminkpads.

Meiner Erfahrung muss man häufig Kompromisse machen und kommt auch nicht immer zum gewünschten Ziel. Aber trotzdem hat sich für mich und die Umwelt durch alle diese Dinge eine Menge zum positiven entwickelt. Ich probiere weiter!

Jetzt geht alles so schnell

Heute war der Termin auf der Psychotherapiestation zum Kennenlernen. Als ich den Termin gemacht habe, war ich total ungeduldig und die Wartezeit war mir viel zu lang. Als das Datum jetzt aber immer näher rückte war ich schon total aufgeregt und hätte es am liebsten noch mal verschoben. Es wäre mir aber zu peinlich gewesen, dass dann dem Psychologen und der Rehaeinrichtung zu erzählen und weitergebracht hätte es mich ja auch nicht. Also bin ich heute total aufgeregt hingefahren. Und ich muss sagen, das schlimmste war es die Station zu finden. Ich bin so losgefahren, dass ich, dachte ich zumindest, noch genug Zeit zum Suchen habe. Als erstes habe ich aber keinen Parkplatz auf dem Gelände gefunden. Da es dann aber schon 10.55 war und ich um 11.00 den Termin hatte, habe ich mich auf den Parkplatz des benachbarten Pflegeheimes gestellt. In der Hoffnung, dass es keiner merkt. Dann besteht die Psychiatrie dort aus mehreren kleinen Häuschen. Ich musste zu Station 4. Diese habe ich aber auf keinem Ausschilderungsschild entdeckt. Ich bin mindestens dreimal im Kreis gelaufen. Dann war es schon 11.01 Uhr. Ich habe mich dazu entschlossen auf der Station anzurufen, um Bescheid zu geben, dass ich auf dem Weg bin. Zum Glück, denn die Frau am Telefon hat mir den Weg beschrieben und alleine hätte ich das Gebäude nicht gefunden. Ich musste vom Gelände runter und ein Stück die Straße entlang. Wenn man es weiß, ist es einfach. Aber sonst hätte ich wahrscheinlich noch länger gesucht.

Das Gebäude und die Einrichtung sind schon ziemlich in die Jahre gekommen. Aber darauf kommt es ja nicht an. Die Psychologin mit der ich gesprochen habe war sehr nett und ich habe mich im Gespräch relativ wohl gefühlt. So weit das unter den Umständen eben geht. Sie hat mich erstmal nur interessiert gefragt und noch nicht in sensiblen Themen gebohrt. So dass es mir auch nach dem Gespräch noch gut ging. Am Ende sagte mir, dass ich bei ihnen richtig bin, um an meinen Problemen zu arbeiten. Die Therapie dort würde 6-8 Wochen dauern und ich könnte schon in ungefähr 3 Wochen starten. Ich hätte nicht damit gerechnet, dass das so schnell geht. Ich bin von einer wesentlich längeren Wartezeit ausgegangen. Und jetzt, da es wirklich losgehen soll mache ich mir schon ziemlich große Sorgen. Besonders, ob zu Hause alles so klappt und ob es nicht eine riesige Belastung für meinen Mann wird. Und inhaltlich wird es ja auch kein netter Ausflug werden. Sondern es wird an die Dinge gehen, die wirklich weh tun. Aber sonst hätte das ganze ja auch keinen Sinn. Und wenn ich alle Ängste beiseite lasse, bin ich mir auch sicher, dass es für mich der richtige Weg es. Es fühlt sich stimmig an, das ganze jetzt anzugehen und danach mit der Reha zu starten.

Zum Aufgeben ist es viel zu früh

Bei meinem Entlassungsgespräch in der Tagesklinik wurde mir empfohlen mir zusätzlich zum Psychologen auch einen Psychiater zu suchen. Besonders, weil ich als nicht arbeitsfähig entlassen wurde. Der Arzt meinte, dass ein Facharzt dies besser einschätzen kann, als ein Hausarzt.

Bis kurz vor dem Aufenthalt in der Tagesklinik war ich in der Institutsambulanz des Krankenhauses meiner früheren Heimatstadt in Behandlung. Im Nachhinein kommt mir das alles dort aber ein bisschen seltsam vor. Vor über zehn Jahren hatte ich dort angerufen, weil ich von meinem Hausarzt Antidepressiva verordnet bekommen habe und darüber gerne mit einem Facharzt sprechen wollte. Ich bekam recht schnell einen Termin und es hat mir dort gut gefallen. Allerdings wurde mir nie zu einer richtigen Therapie geraten. Was ich im Nachhinein wirklich komisch finde, da es in der Tagesklinik jedem geraten wurde. Ich wusste damals gar nicht, welche Möglichkeiten es eigentlich alles gibt. Die ersten zwei Jahre, hat mir die Behandlung dort schon geholfen, aber später ist eigentlich gar nichts mehr passiert. Es war also höchste Zeit für einen Wechsel.

Als erstes machte ich einen Termin bei einem Psychiater bei mir in der Nähe. Zu diesem Zeitpunkt hatte ich noch ganz viele Fragen. Besonders, wie es beruflich weitergehen kann, da ich zu diesem Zeitpunkt noch krank geschrieben war und auch vom Arbeitsamt noch nicht viele Informationen bekommen hatte. Der Psychiater las sich vor dem Gespräch meine Arztbriefe durch und meinte dann zu mir, dass ich mir mal darüber Gedanken machen sollte, ob ich das mit dem Arbeiten überhaupt schaffe. Er meinte, dass sich alle Mühe geben und ich immer wieder gegen die Wand laufe und ich doch Hausfrau und Mutter werden soll. Er meinte noch zu mir, dass wir nicht alle Frau von der Leyen sind. Zusätzlich sollte ich noch die Dosis der Antidepressiva verdoppeln, was ich überhaupt gar nicht verstanden habe. Ich hatte ihm im Gespräch erzählt, dass ich schon mal eine höhere Dosis genommen habe und keinen Unterschied bemerkt habe. Zu diesem Zeitpunkt des Gesprächs war ich dann aber schon so verunsichert, dass ich mich nicht mehr getraut habe nachzufragen.

Mit diesem Gespräch hatte ich gedanklich noch lange zu tun und musste es erstmal verarbeiten. Ich fühlte mich wegen dem Satz, dass sich alle bemühen und ich immer wieder gegen die Wand laufe total schlecht. Ich kann aber wirklich besten Gewissens sagen, dass ich mein Bestes gebe und mich bemühe. Ich habe dann mit meinem Mann über die Hausfrauen-Idee gesprochen und wir haben hin und her gerechnet. Sind aber zu dem Ergebnis gekommen, dass wir mein Gehalt brauchen. Und irgendwie möchte ich das auch gar nicht. Nur, wenn es wirklich keine andere Möglichkeit gibt. Ich finde das ganze ist wirklich ein schwieriges Thema. Ich glaube auch, dass es einfach Zeit braucht sich um Kinder zu kümmern. Und auch die zusätzliche Arbeit im Haushalt muss erledigt werden. Es kommt mir oft so vor, dass es ja ganz einfach ist und man einfach arbeiten kann, wenn die Kinder in der Schule oder der Kita sind. Bei mir hat das aber irgendwie nie so einfach geklappt. Ich hatte noch nie Arbeitszeiten, die genau mit den Öffnungszeiten der Kita gepasst haben. Außerdem waren am Anfang kaum mal alle Kinder gleichzeitig eine Woche ohne Krankheitsausfall in der Kita. Zwischendurch war auch noch der große Streik der Erzieher. Und danach ist ja auch zu Hause noch eine Menge zu erledigen. Ich war damit wirklich oft überfordert. Aber andererseits frage ich mich auch, ob der Psychiater einem Mann in meiner Situation den gleichen Vorschlag gemacht hätte. Ich glaube nämlich nicht. Außerdem kann ich mir nicht vorstellen, wirtschaftlich total abhängig zu sein. Und zu alledem sind meine Kinder auch irgendwann mal groß. Nach allem Überlegen bin ich dann zu dem Schluss gekommen, dass es für mich noch nicht an der Zeit ist, die beruflichen Pläne vollkommen über Bord zu werfen. Ich habe ja erst einen einzigen Beruf ausprobiert. Vielleicht klappt ja ein anderer besser. Und es gibt ja auch Unterstützung. Bevor ich aufgebe, möchte ich zumindest alles versucht haben und das habe ich noch lange nicht. So richtig habe ich ja noch gar nicht angefangen. Auch die doppelte Dosis Medikamente habe ich nicht genommen. Ich wollte mir dazu noch mal eine andere Meinung holen. Den nächsten Termin bei diesem Psychiater habe ich abgesagt. Ich brauchte Hilfe bei beruflichen Fragen und Beratung bezüglich der Medikamente. Und bei beiden Themen hatte ich nicht den Eindruck, dass mir durch diesen Termin geholfen wurde.

Ich machte noch einem einen Termin bei einem anderen Psychiater. In der Zwischenzeit hatte sich schon durch das Arbeitsamt eine Menge geklärt. Aber bei dem neuen Psychiater fühlte ich mich wesentlich wohler und ernstgenommener. Er erzählte mir nicht seine Meinung zu mir nach Aktenlage, sondern fragte mich, wie er mir behilflich sein kann. Er fand es auch richtig, die Medikamente weiterhin in der niedrigeren Dosierung zu nehmen. Falls es mir mal schlechter geht, kann ich das ja immer noch wieder ändern. Es fällt mir zwar immer schwer einem neuen Arzt meine Geschichte zu erzählen, aber ich glaube, dass es trotzdem viel bringt zu wechseln, wenn man ein ungutes Gefühl hat.